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Arbeiterbewegung in Bremerhaven
von Peter Müller
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Inhaltsverzeichnis:
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1. 1827 Streik um mehr Lohn
2. Die Bremerhavener Schiffszimmerleute organisieren sich
3. Erste Streiks an der Unterweser
4. Die erste Mai-Feier der Arbeiterschaft
5. Arbeitskämpfe an der Unterweser vor dem Ersten Weltkrieg
6  Hochseefischerei
6a Hochseefischer leben gefährlich
6b Streik in der Hochseefischerei im Sommer 1923
7. Die Auseinandersetzungen auf den Werften von 1910-1913
7a Die Hafenarbeiter, Arbeitsverhältnisse und Konflikte
7b Das Gewerkschaftshaus Eintracht
8. Arbeiter- und Soldatenrat
8a Werftarbeiterstreik 1928
9. Von Machtübernahme zum Reichstagsbrand
10. Widerstand aus der Arbeiterbewegung
11. Metallarbeiterstreik 1953
12. Der Kampf um den Großen Blink
13. Streiks für Teuerungszulagen im Juni 1973
14. Streik vom 6.3.-27.3.1974

1827 Streik um mehr Lohn
Am 1. Juli 1827 begannen die Ausschachtungsarbeiten zum Bau des Alten Hafens. Er sollte zunächst 750m lang und 57,5m breit werden und einen Wassertiefe von gut 5m erhalten.(Sie wurde später auf etwas über 7m gebracht.)
Die Arbeitsbedingungen waren hart. Irgendwelche Maschinen für die Erdbewegungen gab es nicht. Die Erde mußte auf Pferdegespanne geschaufelt und zur Weser zwecks Anlage eines neuen Deiches transportiert werden.
Auf die Ankündigung der Unternehmer, die den Bau ausführen sollten, daß täglich 60 Grote (etwa 2,50 Mark) verdient werden könnten, meldete sich zunächst eine große Anzahl von Arbeitern, von denen aber ein Teil gleich wieder davonging, als die Leute nämlich sahen, daß der gebotene Lohn im Akkord erarbeitet werden mußte und die Arbeitszeit von 4.30 Uhr morgens bis 8 Uhr abends angesetzt war. Lohnstreitigkeiten, zu denen es immer wieder kam, waren Ursache häufiger Unruhen. Polizei mußte eingesetzt werden. Bereits am Tag des Baubeginns gab es Auseinandersetzungen wegen der für den für den versprochenen Lohn verlangten cbm-Leistung.
Statt der in Aussicht gestellten 60 Grote kamen die Arbeiter infolge der schwierigen  Bodenverhältnisse höchstens auf die Hälfte. Ein Streik um mehr Lohn, der bereits Mitte Juli 1827 ausbrach und an dem sich bis auf ca. 50 alle Arbeiter beteiligten, hatte keinen Erfolg. Aber schon einen Monat später streikten erneut 500 um mehr Lohn. Hinzu kam, daß die Unterkünfte für diejenigen, die nicht in den Nachbarorten wohnten, sehr primitiv waren und infolge Trinkwasserknappheit (Bremerhaven hatte noch jahrzehntelang keine eigene Wasserversorgung), sehr bald Krankheiten (Sumpffieber) auftraten.
Feuchte Witterung, fehlendes Wasser, schlechte Unterbringung, Mangel an Quartieren für die z.T. mitgekommenen Familien belasteten die Arbeit. Schwierigkeiten machte auch die Versorgung und die Unterbringung derjenigen Arbeiter, die nicht bei ihren Familien wohnen konnten. Ein Teil kam von auswärts und schlief in Schilfhütten in der Nähe der Baustelle mit einer Belegung von 12 und 25 Mann. Ein anderer Teil wohnte zur Untermiete in Lehe, Geestemünde und Wulsdorf und mußte jeden Tag zweimal den Weg zum Hafen zu Fuß machen.
(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S.13f)

Die Bremerhavener Schiffszimmerleute organisieren sich
Am 9. Februar 1849 beschied der Senat die Schiffszimmerleute in Bremerhaven, daß er ihrem Gesuch, einen Mindestlohn festzusetzen, nicht stattgeben könne und er auch nicht bereit sei zu verbieten, Ungelernte als Schiffszimmerleute einzustellen. " Mit Rücksicht auf die Konkurrenzverhältnisse benachbarter Schiffbauplätze" sei der Senat nicht willens, durch Festsetzung einer Lohntaxe oder durch Qualifikationsvorschriften in der Gewerbe der Schiffbauer "störend" einzugreifen. Im Zuge der revolutionären Bewegung des Jahres 1848 hatten auch die Arbeiter Forderungen nach einer sozialen Besserstellung erhoben, nach garantierten Mindestlöhnen, Arbeitszeitverkürzungen, Abschaffung der regelmäßigen Sonntagsarbeit und nach staatlicher Hilfe für Arbeitslose.
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In Bremerhaven waren es die Schiffszimmerleute, die nicht länger widerspruchslos die unzureichende Entlohnung durch die Werftbesitzer hinnehmen wollten. Unter dem 18. Dezember richteten sie eine Resolution an den Senat, in der sie ihre Situation auf den Werften darstellten. Der durch "Niederwerften der Arbeit" in den Jahren der Teuerung erstreikte Tageslohn von 48 gt Preuß. Courant sei im Sommer 1848 auf 36gt und im Dezember auf 30gt unter dem Vorwand herabgesetzt worden, es sei keine Arbeit vorhanden. Sie forderten:" So muß unser Tageslohn nothwendig so sein, daß eine Familie davon leben kann." In anderen Städten, wie Harburg, Altona, Lübeck, Stettin seien Mindestlöhne gesetzlich vorgeschrieben, während in Bremerhaven die hiesigen Schiffszimmerleute gar zu sehr in Hinsicht des Tageslohns der Willkür der Schiffsbaumeister preisgegeben sind".
Neben dem zu geringen Verdienst rügten die Arbeiter, daß die Werften Ungelernte zu Billiglöhnen als "Schiffszimmerer" einstellten und dadurch die Löhne drückten. "Die Folgen hiervon... sind Haß und Verachtung gegen den Baumeister und der Gedanke an Aufruhr, Niederwerften der Arbeit, Mißmuth des Familienvaters".

Trotz dieser drohenden Töne führte die abschlägige Antwort des Senats nicht zu einem Streik. Das gemeinschaftlich abgefaßte Schreiben zeigt aber deutlich, daß die Arbeiter auf den Werften begannen, sich zu organisieren, um gemeinsam ihre Forderungen durchzusetzen.
(Harry Gabcke u.a.: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten 1827-1918, NWD-Verlag 1992, S. 61) 

Der erste Streiks an der Unterweser
Der größte Teil der Arbeiterschaft in den Unterweserstädten war auf den Werften tätig. Weitere große Gruppen waren die Bauarbeiter und später die Fischdampferbesatzungen und die Arbeiter im Fischereihafen.
Die Arbeitsbedingungen in den Betrieben waren waren außerordenlich hart und ungünstig. Arbeitszeit und und Lohn bestimmten die Unternehmer allein, Urlaub und Krankengeld gb es nicht. So war es nicht verwunderlich, daß es schon früh zu Arbeitskämpfen kam.

Um beabsichtigte Lohnkürzungen abzuwehren, legten 1857 die Arbeiter der drei in Geestemünde ansässigen Werften, Rickmers, Tecklenborg und Schau & Oltmanns, die Arbeit nieder.
Im Sommer 1864 versuchten die Werftarbeiter, und das hieß damals vor allem die Schiffszimmerleute, wiederum, die im Vergleich zu den gestiegenen Lebensmittelkonsten zu niedrigen Löhne durch Streik aufzubessern.

Neben den Schiffszimmerern und Hafenarbeitern versuchten auch die Bauarbeiter durch Arbeitskämpfe eine Aufbesserung ihrer Löhne zu erreichen. Nach einem viertägigen Streik in Geestemünde im Juli 1868 erhielten Erhöhungen von 25 Sgr. auf 1 Taler 5 Sgr., was einem Zuschlag von ca. einem Drittel entsprach. Der allgemeine Maurerstreik in den Unterweserstädten, der am 4. Mai 1869 begann und eine Reihe von großen Bauten stillegte, ist mit Sicherheit nicht vor Mitte bis Ende Juni  beendet worden, denn noch im Stader Sonntagsblatt vom 1.6.1869 ist zu lesen, daß die Maurermeister in Geestemünde versuchten, die Kontrakte mit ihren Auftraggebern bezüglich der Fertigstellung der Bauten zu ändern, um dem "Streik der Mauerergesellen" energisch Widerstand leisten zu können. Lohnerhöhungen sollten nur den "fähigen Gesellen" zugestanden werden. (Stader Jahrbuch 1976, S.93.) Ob die Lohnerhöhungen von 25Sgr. auf 1 Taler 5 Sgr., wie sie den Geestemündern vor einem Jahr zugestanden, auch allgemein erreicht wurde, ist leider nicht bekannt.
1874 streikten 52 Maurer am Kaiserhafenbau gegen die Absprache der Unternehmer, Maurer nicht einzustellen, die andernorts ohne gesetzliche Kündigung aufgehört haten. Hier ging es also bereits um das Problem der Arbeitsvermittlung.
(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S.39f)

1869 gründete der aus Tangermünde stammende Werftschlosser August Pagel in Geestendorf einen Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, der 1863 von Ferdinand Lassalle ins Leben gerufen worden war. Die Gründung war genehmigungspflichtig. August Pagel gab als Zweck des Vereins an:
Vertretung der Interessen des Arbeiterstandes, eine ehrenhafte Beseitigung des Klassengegensatzes, die Durchsetzung des allgemeinen und direkten Wahlrechts auf gesetzlichem Wege, Bildung der Arbeiter und die moralische Hebung des Arbeiterstandes.
Regierungsrat Schönian trat für die Genehmigung ein und bemerkte, daß ein solcher Verein auf den hiesigen Arbeiterstand, in welchem viel Roheit herrscht,  eine vorteilhafte moralische Wirkung ausüben würde".
Der Schiffbaumeister Lange hatte 1867 wegen Auftragsmangel 50 seiner Arbeiter entlassen und die übrigen auf Kurzarbeit gesetzt. Bei einem unerwartet eingehenden größeren Reparaturauftrag stellte Lange seine entlassenen Abeiter nicht wieder ein, sondern wandte sich an die Werftunternehmer Ulrichs und Rickmers, ihm Arbeiter zu leihen. Das ließen sich die Arbeiter nicht mehr gefallen. Sie traten unter der Führung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in den Streik und forderten Wiedereinstellung und eine Verkürzung der 10 1/2- bis 12stündigen Arbeitszeit um eine Stunde. August Pagel, dieser ehrlich, besonnene und rechtschaffene Arbeiterführer, appellierte an die "Menschenfreundlichkeit und Humanität der Arbeitgeber", da er genau wußte, wie groß das Risiko dieses Streiks war. Ein Streikrecht gab es nicht, der kaiserliche Staat betrachtete Streiks als illegal und stand immer auf der Seite der Unternehmer. Die Bremerhavener Arbeitgeber reagierten unerbittlich. Sie sperrten die Arbeiter aus und holten Streikbrecher aus Ostfriesland und von der Ostsee. Da die Streikenden so gut wie keine Unterstützung erhielten, herrschte recht bald bitterste Not in den Arbeiterfamilien. Im Juni 1867 endete dieser erste Streik an der Unterweser ohne den geringsten Erfolg für die Arbeiterschaft.

Trotzdem gingen die Bemühungen um den Zusammenschluß der Arbeiter weiter. Der Ostfriesland stammende Tischler Theodor Jork hielt in Geestendorf Versammlungen ab, um Mitglieder für Lassalles Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zu werben. Durch den Bau der Kaiserhäfen, der Forts Brinkamahof und Langlütjen und durch die vielen Neubauten in den Unterweserorten setzte ab 1870 ein starker Zuzug von mecklenburgischen und schlesischen Arbeitern ein. Allmählich begann sich eine organisierte Arbeiterbewegung zu bilden.
(Harry Gabcke u.a.: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten 1827-1918, Band I, NWD-Verlag 1992, S. 97)

Am 1.1.1876 erfolgte dann die Aussperrung aller organisierten Schiffszimmerer an Elbe und Unterweser. 1350 Mitglieder wurden davon betroffen, die teilweise bis zu 2Jahren ausgesperrt blieben.
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Nach den Absprachen der Werftunternehmer hatten die Werftarbeiter ab 1. Dezember 1877 abermals eine Lohnerhöhung von 50 Pfennige hinzunehmen. Ihr Ziel war es, auch im Sommer den Lohn nicht über 3,25 Mark ansteigen zu lassen. Es handelte sich um die Löhne der Schiffszimmerer, die als Richtsätze für die Verdienste der übrigen Werftbeschäftigten galten, deren Lohn z.T. weit darunter lag. (Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S.74)

Die erste Mai-Feier der Arbeiterschaft
Auf dem internationalen Arbeiterkongreß vom 14.-20. Juli 1889 in Paris hatten die Delegierten beschlossen, "für einen bestimmten Zeitpunkt einen große internationale Manifestation zu organisieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und allen Städten an einem bestimmten Arbeitstag die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen".
Da die American Federation of Labor 1888 bereits einen solchen Beschluß für den 1. Mai 1890 gefaßt hatte, wurde dieser Tag als Termin für die Kundgebungen festgesetzt.
Über die Durchführung dieser Mai-Feiern gab es innerhalb der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften erhebliche Meinungsverschiedenheiten, die noch 1893 den Kölner Parteitag beschäftigten.
Für die Unterweserorte beschlossen die Arbeiter am 7. April 1891 auf einer gut besuchten Veranstaltung im "Collosseum" in der Bürgermeister-Smidt-Straße, die Mai-Feier als große Demonstration am 3. Mai, einem Sonntag durchzuführen.
Am 1. Mai sollte gearbeitet und ein Viertel des an diesem Tage verdienten Lohnes an die Generalkommission der freien Gewerkschaften abgeführt werden. Damit war die Gefahr von Entlassungen wegen Arbeitsniederlegung am 1.Mai umgangen. Eine große Zahl von Unternehmern in den Großstädten hatte bereits im Frühjahr 1890 angekündigt, sie würde Arbeiter, die am 1. Mai nicht zur Arbeit erschienen, aussperren bzw. entlassen. Im preussischen Lehe und Geestemünde wurde die Demonstration verboten. Das Bremische Amt in Bremerhaven erlaubte sie, weil "durch Verbot oder Beschränkungen die Sache nur eine unverdiente Wichtigkeit erhalten würde". Auf ihren ersten Mai-Demonstrationen konnten die Arbeiter vom Marktplatz durch die Bürgermeister-Smidt-Straße zum Saal der Gaststätte "Collosseum" ziehen, allerdings ohne roten Fahnen, die waren nicht erlaubt.
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In den folgenden Jahren wurden die Demonstrationen überwiegend verboten. Bei der Begründung dieser Verbote zeigten die Behörden viel Phantasie; nicht nur die Störung der Ruhe, der öffentlichen Ordnung und des Verkehrs waren Ablehnungsgründe, sondern auch die Belastung der Geestebrücke durch den Gleichschritt der Demonstranten, die Teilnahme von Frauen (seit 1883 kein Grund mehr), das Singen der Marseillaise. Gastwirten, die ihre Säle für Versammlungen zur Verfügung stellten, drohte der Entzug der "Tanzerlaubnis" oder ein "Militärverbot" für ihr Lokal, d.h. erhebliche Einnahmeverluste.

Als 1886 die Umzüge, an denen inzwischen oft mehr als 2000 Menschen teilnahmen, verboten wurden, fanden am 1. Mail "zwanglose Spaziergänge" über die "Bürger" bis nach Geestemünde statt.
(Harry Gabcke u.a.: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten 1827-1918, Band I, NWD-Verlag 1992, S. 145)

Am 6. Januar 1900 führten 18 Former und Gießer einen Abwehrstreik  bei G. Seebeck,  Geestemünde, durch, und zwar gegen die Reduzierung des Lohnes durch neuen Akkord von  3,70 auf  2,30 Mark pro Tag.
Vom 14. Dezember 1900  - 11. Februar 1901 erfolgte ein Streik der Metallarbeiter und Holzarbeiter gegen die Verkürzung der Mittagspause und gegen die Einführung der Akkordarbeit. Der Arbeitgeber Seebeck reagiert mit Aussperrung. Die alten Bedingungen mußten akzeptiert werden.

Im August 1891 wurde in Bremerhaven der Metallarbeiter-Verband, die später größte gewerkschaftliche Organisation am Ort, mit 58 Mitgliedern gegründet. Bis zum Ende des Jahres zählte er bereits 181.

Arbeitskämpfe an der Unterweser vor dem Ersten Weltkrieg
Die Stimmung der Arbeiter auf den Werften nahm in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg immer bedrohlichere Formen an. Die rücksichtslose Aussperrung tausender Arbeiter auf nahezu allen Werften bei geringsten Anlässen in einzelnen Betrieben hatte Erbitterung und Haß ausgelöst.
Die Werftleitungen weigerten sich nach wie vor Tarifverträge oder Akkordvereinbarungen abzuschließen. Die Unternehmer der Metallindustrie und insbesondere der Werften haben diesen Standpunkt bis nach dem Ersten Weltkrieg beibehalten. Sie waren nur in Einzelfällen zu bewegen, Zugeständnisse zu  machen.
    Harte Auseinandersetzungen gab es auf den Werften immer wieder wegen der Akkordarbeit. Durch die Vielzahl der Akkorde- es gab Einzel-, Gruppen- und Lohnakkorde außer Stundenlöhnen- und deren autonomer Fest durch die Meister kam es ständig zu Ungerechtigkeiten und in deren Folge zu Reibereien und Auseinandersetzungen, die oft zu Arbeitskämpfen führten. Die Arbeiter hatten auf die Akkordberechnungen keinen Einfluß und empfanden die Entscheidungen ihrer Vorgesetzten oft als Willkür.  Die Meister, die sich damals Werftbeamte nannten und meistens selbst ehemalige Arbeiter waren, erhielten Monatsgehälter, die im Schnitt das Zwei- bis Dreifache der Facharbeiterlöhne ausmachten. Sie waren außerdem vielfach durch Werkswohnungen an den Betrieb verbunden und in der Regel zuverlässige Vertreter der Unternehmerinteressen. Aus dieser Situation heraus erklären sich auch die vielen Streiks um Akkordfestsetzungen in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Es gab Akkorde, die über Monate andauerten und infolge von Stockungen im Arbeitsablauf mehrerer Male unterbrochen werden mußten. Ebenfalls kam es vor, daß an einem Akkord auf mehreren Schiffen gearbeitet wurde. In der Zeit der Laufdauer erhielt der Akkordarbeiter keine Abrechnungen, sondern immer nur Abschläge. Er hatte also ständig unerfüllte Lohnforderungen. Hörte er vor Fertigstellung eines Akkordes auf zu arbeiten, verlor er den Anspruch auf die Endabrechnung.
Zu einem Ausbruch aufgrund der jahrelangen Mißstimmung unter den Arbeitern kam es infolge dieser Zustände bereits im Mai 1903 bei Tecklenborg. 109 von 113 Zimmerern beschlossen mit Zustimmung ihres Verbandes wegen der ihnen diktierten schlechten Bedingungen keine Holzarbeiten mehr im Akkord zu machen. Eine Zeitungsnotiz in der "Norddeutschen Volksstimme", die zum Fernhalten des Zuzuges weiterer Zimmerleute aufrief, wurde von der Werftleitung als Eingriff in die laufende Verhandlung mit dem Arbeiterausschuß empfunden. Als die Aufforderung nach Zurückziehung der Notiz abgelehnt wurde, sperrte die Werft 1600 Mann, also fast die gesamte Belegschaft, die zu dieser Zeit 1800 Mann stark war, für eine Woche aus.

Im Juni 1904 traten die Kesselschmiede bei Tecklenborg wegen Lohnforderungen und ungeregelter Akkordbedingungen in den Streik. Es handelte sich um etwa 150 Mann. Daraufhin kündigten Tecklenborg und Seebeck ihren gesamten Belegschaften, ohne  sich vorher auf Verhandlungen mit den Streikenden einzulassen. Wenige Tage später standen 3.500 Werftarbeiter, die zu mehr als 90 % mit dem Konflikt nichts zu tun hatten, ausgesperrt auf der Straße. Lediglich die Meister und die Lehrlinge, insgesamt etwa 350 Mann, arbeiteten weiter. Erst nach sieben Wochen konnte die Auseinandersetzung mit geringen Zugeständnissen seitens der Werftleitungen beendet werden.

Hochseefischerei
Auf der Basis der Hochseefischerei begann sich auch in Norddeutschland eine ganze Industrie zu entwickeln, die sich unter Ausschluß von Werften, Ausrüstungsbetrieben, Fischverarbeitung und- vermarktung schließlich in einer Reihe von Küstenstädten (Geestemünde, Bremerhaven, Altona, Hamburg, Harburg, Cuxhaven, Emden, Kiel) zu einem lebenswichtigen Erwerbszweig entwickelte und Tausende beschäftigte.
Die Eröffnung des Geestemünder Fischereihafens nach fünfjähriger Bauzeit im November 1896 gab der Hochseefischerei an der Unterweser weiteren Auftrieb.
Geestemünde hatte sich in weniger als zwanzig Jahren zum größten deutschen Seefischmarkt entwickelt.
Der Mangel an ausgebildeten und erfahrenen Seeleuten im Bereich Hochseefischerei macht sich mit dem Wachstum immer stärker bemerkbar.
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Anders als z.B. in England, wo die Ausbildung zum Beruf des Seefischers eine lange Tradition, konnten bei uns aufgrund des Fehlens befahrener Leute meistens keine großen Anforderungen gestellt werden.
Bei einem Jahresdurchschnittsverdienst von 1358 Mark im Schnitt aller Besatzungsmitglieder (1892) blieben für einen Matrosen oder Heizer bestenfalls 1000 Mark übrig, bei der Härte der zu leistenden Arbeit, der langen Arbeitszeit und ihrer Gefährlichkeit sicher kein verlockendes Angebot. Zur Dauer der Arbeitsbelastung auf See, die beim Fischen 70 Stunden ohne nennenswerte Pausen erreichen konnte, kamen dann noch die Löscharbeiten im Hafen, die Übernahme von Eis und das Bunkern von Kohle, das von den Besatzungen zunächst selbst zu übernehmen war.
Die in der Saison ohnehin knapp bemessene Liegezeit im Hafen brachte für die Mannschaften einen nur ungenügenden Ausgleich für die beim Fang nur kurz unterbrochenen langen Arbeitszeiten. Seit langem wehrten sich  die Fischdampferbesatzungen der Fischereihafenplätze an der Nordseeküste dagegen, die Löscharbeiten selbst ausführen zu müssen. Sie verlangten die kurze Zeit zwischen dem Ein- und Auslaufen zu ihrer persönlichen Verfügung zu haben. In der Regel befand sich ein Fischdampfer in den Jahren vor und auch nach dem Ersten Weltkrieg höchstens zwei Tage im Hafen. In der ersten Nacht nach dem Einlaufen mußte der Fang gelöscht werden. Am zweiten Tag wurden Kohle und Eis gebunkert und Proviant genommen, notwendige Reparaturen an Maschine, Winsch und Fanggeschirr ausgeführt und am dritten lief der Dampfer wieder aus. Die Besatzungen mußten also durch Löscharbeiten einen erheblichen Verlust an ihrer ohnehin sehr knapp bemessenen freien Zeit in Kauf nehmen. Für längere Zeit an Land blieben sie höchstens während der Durchführung größerer Reparaturarbeiten oder der jährlichen Aufliegezeit in den Sommermonaten. Während dieser wurden sie jedoch bis auf wenige unentbehrliche Arbeitskräfte von den Reedereien abgemustert, und das hieß Einkommensverlust.
Nachdem viele Verhandlungen in den vorhergehenden Jahren keine Ergebnisse brachten, und im April 1906 bereits Matrosen und Netzmacher wegen Verweigerung der Löscharbeiten auf dem Fischdampfer "Emden" Haftstrafen in Kauf nehmen mußten, kam es im Herbst des Jahres zum Streik. Neben Lohnerhöhungen  forderten die Besatzungen Befreiung vom Löschen und Wegfall der bisherigen Prozentregelung.
Der Streik dauerte nur wenige Tage und verlief erfolgreich, obwohl nur ein Drittel der Besatzungen organisiert war. Die Löscharbeiten übernahm nach einer Übergangsregelung von 1908 an die Fischerei-Betriebsgenossenschaft mit eigenen Löschgängen. Den Besatzungen blieb die kurze Liegezeit im Hafen nun zur  eigenen familiären Verfügung. Eine Aufbesserung der Heuern wurde ebenfalls erreicht.(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S. 164f)

Hochseefischer leben gefährlich
Die Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse an Bord der Fischdampfer vor und nach dem Ersten Weltkrieg konnten- nicht nur wegen der nicht gerade guten Verdienstmöglichkeiten- kaum jemand besonders für diesen Beruf begeistern. In manchen Jahren kam es zu erschreckend hohen Verlusten an Leben und Schiffen. In dem Vierteljahrhundert nach dem Aufkommen der Dampffischerei von 1879 bis 1903 strandeten allein unter Island jährlich im Durchschnitt 9 Schiffe, ingesamt 237 Schiffe. In den folgenden 25 Jahren (1906-1931) verlor die  deutsche Fischdampferflotte unter Island 46 Schiffe. Zwischen 1902 und 1908 ereigneten sich 412 Todesfälle auf Fischdampfern und Loggern, davon im Jahre 1903 allein 103.
Neben den überlangen Arbeitszeiten während des Fanges- 60-70 Stunden an Deck, nur von Kurzpausen unterbrochen, waren keine Seltenheit- machten Kälte und Nässe den Fischern schwer zu schaffen. Arbeitsfähigkeit und Lebenserwartung blieben weit hinter denen anderer Berufe zurück.
Die Unterbringung der Mannschaft- insbesondere der unteren Grade- war denkbar schlecht. Das Matrosenlogis unter der Back im Vorschiff bot nicht den geringsten Komfort. Die Kojen, je zwei übereinander direkt an der eisernen Schiffswand ohne jede Isolierung gelegen, tropften meistens vor Nässe, so daß der Strohsack, auf dem der Matrose schlief, in der Regel durchgefeuchtet war und das Bettzeug klamm war. Waschgelegenheiten gab es keine.
(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S. 168f)

Streik in der Hochseefischerei im Sommer 1923
Zu einer längerdauernden, ernsthaften Auseinandersetzung kam es im Sommer 1923, also zur Zeit der schlimmsten Inflationsphase, zwischen Hochseefischereireedereien und Fischdampferbesatzungen, letztere vertreten durch den "Deutschen Verkehrsbund" (früher Transportarbeiter- Verband) und den "Zentralverband der Maschinisten und Heizer" als hauptragende Organisationen.
        Seit März 1923 zogen die Fischdampferreeder nach und nach die Hälfte der Flotte aus der Fahrt und entließen die Besatzungen. Mit dieser Maßnahme hoffte man sich entsprechend gefügige- weil arbeitslose- Mannschaften für die Annahme neuer- schlechterer- Verträge geschaffen zu haben. Anschließend kündigte der "Wirtschaftliche Verband der deutschen Hochseefischer" den Tarif zum 1.5.1923. Der vorgelegte neue Entwurf sollte wesentliche Verschlechterungen bringen. Im einzelnen war geplant, das Einkommen der Kapitäne um 35% und das der Mannschaften um 25% zu kürzen und das in einer Zeit (Inflation) sprunghaft steigender Lebenshaltungskosten. Weiter verlangten die Reeder die Herabsetzung des Fischdeputats von 15 auf 10kg für Verheiratete und von 10 auf 5kg für Ledige, außerdem die Verpflichtung der Mannschaften zu allen Arbeiten auch während des Fischens und zur Übernahme von Kohle und Eis ohne besondere Vergütung. Durch die geplante Einführung einer neuen, schlechteren Speiserolle, die Aufhebung der 24-bzw. 36 stündigen Freizeit nach jeder Reise und die Minderungder Decksbesatzungen um einen Mann ergaben sich weitere Verschlechterungen für die Besatzungen. In einer Zeit also, die infolge der ab Frühjahr 1923 einsetzenden galoppierenden Geldentwertung den Arbeitern ohnehin kaum noch zu verkraftende Einkommensverluste brachte, soll die Schiffsdampferbesatzungen noch zusätzliche Einbußen und Tarifabstriche hinnehmen, die sie um Jahrzehnte zurückgeworfen hätte.
Nach ergebnislosen Verhandlungen kam es zu einem Schiedsspruch, den die Mannschaften ablehnten, weil er ihnen immer noch Einkommensverluste von 20-30% brachte.
Am 23. Mai 1923 kam es nach der Ablehnung des Schiedsspruches durch die Seeleuteorganisation zum Streik und vom 26. Mai an lief von Bremerhaven und Geestemünde kein Fischdampfer mehr aus.
Die Streikfront war schon deshalb geschlossen, weil auch die Fischdampfer-
Kaptäne die ihnen zugedachte Prozentminderung von 6 auf 4% nicht widerspruchslos hinnehmen wollten.
Ein neuer, am 25. Juli 1923 ergangener Schiedsspruch ergab dann einen nahezu vollen Erfolg der Besatzungen. Die beabsichtigten Heuerkürzungen und sonstigen Verschlechterungen unterblieben, lediglich die Minderung Decksbesatzungen um einen Mann mußte hingenommen werden.
(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S. 178f)

Die Auseinandersetzungen auf den Werften von 1910-1913
Mit der auflebenden Konjunktur und dem Wachsen der Industriekapazität ab 1909 setzten verstärkt Bemühungen der Gewerkschaften ein, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern. Die zweite Werftarbeiterkonferenz, die im Juli 1910 in Hamburg tagte, war von Delegierten aus Bremen, Bremerhaven, Flensburg, Hamburg, Kiel, Lübeck, Rostock, Stettin und Vegesack beschickt. Die Konferenz beschloß die Verabschiedung  einer "Vorlage zur Regelung der Lohn-und Arbeitsverhältnisse auf den Seeschiffswerften".
Indem Papier wurde geforderte, die täglich Arbeitszeit auf neun Stunden zu reduzieren, an Samstagen auf 8 Stunden. Die Wochenarbeit sollte auf 53 Stunden begrenzt werden und der Wochenlohn um 10% erhöht. Es ging um eine verbindliche Akkordregelung, einen Arbeiterausschuß als Vermittlungsinstanz zwischen Arbeitgeber und Arbeitern.
Die Werftunternehmer lehnten ab mit der Begründung, die Leistungsfähigkeit des Schiffbaus vertrage solche Beunruhigungen nicht.
Infolge der starren Haltung der Arbeitgeber kam es in Hamburg nach einer weiteren Sitzung der Werftarbeiterkonferenz zur Arbeitsniederlegung auf allen dort befindlichen Werften. 7000 Werftarbeiter traten am 5.8.1910 in den Streik, darunter auch die den christlichen und Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaften angeschlossenen.
Die Werftindustriellen konterten wiederum mit einer allgemeinen Aussperrung auf allen Hamburger Werften. Am 11.8. wurden 60% aller Arbeiter entlassen. Zu den inzwischen 9000 Streikenden kamen nun noch 11000 Ausgesperrte. Die Streikbewegung weitete sich durch Sympathiestreiks auf nahezu alle anderen Werften aus und im September 1910 befanden sich über 36000 Werftarbeiter von insgesamt 46000 im Ausstand, darunter in Bremerhaven/Geestemünde 1492.

Die Werftindustriellen hatten die Stärke der organisierten Arbeiterschaft zum ersten Mal erheblich unterschätzt.
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Die von den Arbeitern erhobenen Forderungen hatten für diese tatsächlich grundsätzliche Bedeutung. Es ging, wie bereits beschrieben, erstens um die feste Vereinbarung von Einstellungslöhnen, die bisher von den Werftbesitzern willkürlich festgesetzt wurden, zweitens um die Schaffung von verbindlichen Regeln für die Akkordarbeit, drittens um die Einführung einer erträglichen Normalarbeitszeit, viertens sollte die Leistung von Überstunden vertraglich geordnet werden. Es hatte die Gewerkschaften vor noch nicht langer Zeit Mühe gekostet, wenigstens die Pflicht der Werftarbeiter zur Leistung ununterbrochener 36stündiger Arbeit auf 24 Stunden zu mindern. Nun verlangten sie als Höchstmaß 18 Stunden.
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Es kam schließlich am 8. Oktober 1910 zu einem Kompromiß, der Verkürzung der Arbeitszeit für die Hamburger Werften auf 55und für die Arbeiter der anderen Werften auf 56 Stunden vorsah. Außerdem wurde eine Lohnerhöhung von 2 Pfennig auf die Mindest-Einstelllöhne für alle Gewerbe und die Einsetzung von Arbeiterausschüssen auf allen Werften vereinbart.
(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S. 87-90)

Dezember 1911 organisierten die Schlosser und Dockarbeiter einen Streik  in Seebecks Dock. Es ging um drei Pfennige Zulage, Frühstück und Waschraum sowie die Wiedereinstellung von sechs Entlassenen. Erreicht wurden die Einrichtung eines Waschraums und die Wiedereinstellung der Entlassenen.

Die Hafenarbeiter, Arbeitsverhältnisse und Konflikte
Auf eine bewegte Vergangenheit in bezug auf Arbeitskonflikte kann die Organisation der Hafenarbeiter in den Unterweserorten zurückblicken. Die Schauer, Stauer, Kaiarbeiter, Kohlenarbeiter, Küper und Schiffshandwerker haben- -ähnlich wie die Schiffszimmerleute schon früh damit begonnen, die ihnen zudiktierten Arbeitsverhältnisse nicht mehr unwidersprochen hinzunehmen.
Der in Bremerhaven und von den 70er Jahren an der auch in Geestemünde bedeutende Schiffsverkehr erforderte zum Laden, Löschen und Lagern eine große Anzahl von Arbeitskräften, so daß am Ort die Hafenarbeiter ein ähnlich großes Kontingent wie die Werftarbeiter und Seeleute stellten.
Früher als in anderen Bereichen schlossen sie sich zusammen und erreichten Tarifvertragsabschlüsse, den ersten bereits 1854 in Hamburg. Die dortigen Ewerführer traten an die Ewerbesitzer heran und handelten den ersten Hafenarbeitertarif aus.
Aus Bremerhaven sind die ersten Lohnbewegungen der Hafenarbeiter aus dem Jahre 1873 bekannt. Die Organsation hatte zu dieser Zeit bereits 700 Mitglieder. Eine Versammlung faßte  im Januar des Jahres den Beschluß, eine Lohnerhöhung von 1 Taler auf 1 T.10Sgr. zu fordern. Nachdem die Spediteure ablehnten, kam es Anfang März zum Streik von 1000 Hafenarbeitern, obwohl zu dieser Zeit kein starker Schiffsverkehr herrschte und somit der Zeitpunkt nicht günstig  war. Er dauerte eine Woche und endete mit einem Mißerfolg.
Mangelnde Organisation und brutale Unterdrückung des Streiks durch den Norddeutschen Lloyd, der beurlaubte Soldaten als Streikbrecher einsetzen konnte, führtenzur Niederlage. Der Direktor des NDL, H.H.Meier aus Bremen, erklärte: "Und wenn es eine und eine halbe Million Mark kosten sollte, die Canaille (gemeint sind die Streikenden) soll ihren Willen nicht haben."
Sämtlichen Streikenden wurde der Lohn einer Woche einbehalten und diejenigen, die  inzwischen abgereist waren oder anderweitig Arbeit gefunden hatten, mußten das ihnen noch zustehende Geld gerichtlich einklagen. Ein großer Teil Beteiligten
verließ Bremerhaven und bemühte sich auswärts um Arbeit.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß zu dieser Zeit nahezu alle Arbeit an und auf den Schiffen Handarbeit war. Hilfsmittel wie Kräne oder Fahrzeuge gab es außer Handkarren und  Pferdewagen kaum. Ein einziger Kran von 8t Tragkraft, der aber nur geringe Bewegungsfähigkeit, vorwärts oder rückwärts, besaß und fest montiert war, stand seit 1864 am Neuen Hafen. Die Arbeit der am Hafen Beschäftigten ist am treffendsten durch drei Merkmale zu kennzeichnen. Sie war schwer, lang und gefährlich. Die  Schichtzeit von zwölf Stunden (einschl. Pausen) mußte in vielen Fällen aufgrund des starken Arbeitsanfalls verdoppelt und verdreifacht werden, das bedeutete eine 36 stündige ununterbrochene Arbeitszeit. Nacht- und Sonntagsarbeit waren keine Ausnahme. Das Löschen und Laden der Schiffe nahm infolge der noch nicht zur Verfügung stehenden Hebe- und Transportwerkzeuge natürlich eine entsprechend lange Zeit in Anspruch. In den hiesigen Häfen rechnete man für ein Schiff mit 200 NRT, also der reinen Ladekapazität, drei Tage, für einen Dampfer mit 800 NRT sieben Tage, für je weitere 200 NRT einen Tag.
(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S. 205f)

Bau des Gewerkschaftshauses "Eintracht"
Wie auch in anderen Orten spielte im gewerkschaftlichen Leben Bremerhavens die Lokalfrage eine große Rolle. Es gab nur wenig Gastwirte, die ihre Räume aus gesinnungsmäßiger Verbundenheit den Gewerkschaften zur Verfügung stellten. Für die übrigen war das eine rein geschäftliche Angelegenheit. Wirte, die ihre Lokale Arbeiterorganisationen zur  Benutzung vermieteten, hatten jedoch vielfach unter behördlichen Schikanen zu leiden und wurden außerdem von den anderen Organisationen (vaterländischen und Kriegervereinen) boykottiert.
Nach jahrelangen Auseinandersetzungen und mehreren Boykottmaßnahmen gegen Wirte, die ihre Räume auf dem Wege gütlicher Vereinbarung nicht zur Verfügung stellen wollten, beschloß das Gewerkschaftskartell, in Verbindung mit dem "Konsum- und Sparverein Unterweser", den Bau eines eigenen Hauses mit entsprechenden Büro- und Versammlungsräumen. Zur Finanzierung des Baues errichteten beide 1911 eine Baugenossenschaft, deren Anteile der Konsumverein und die beteiligten Gewerkschaften aufbrachten. 1912 wurde das Gewerkschaftshaus "Eintracht", Am Deich 55, in Bremerhaven eröffnet. Die Büroräume reichten jedoch bei weitem nicht zur Unterbringung aller Gewerkschaften aus. Die größten- Metallarbeiter-Verband, Transportarbeiter-Verband- und eine Reihe kleinerer Verbände blieben draußen. Das "Haus Eintracht" entwickelte sich in den folgenden Jahren und vor allem nach dem Ersten Weltkriege zum Zentrum des gewerkschaftlichen, sportlichen und kulturellen Lebens der Arbeiterschaft in den Unterweserorten. Endlich waren die Arbeitersportler und die Arbeitersänger nicht mehr auf Räume in Gastwirtschaften angewiesen. Eine große Zahl von Bildungsveranstaltungen, die Arbeiterbibliothek, das Arbeitersekretariat und die Arbeiterjugend fanden hier ihr Zuhause.
Durch Senatsbeschluß wurde 1933 die Genossenschaft aufgelöst. Die Begründung lautete: "Mißbrauch der Genossenschaftsbewegung zu marxistischen Zwecken."
Das Haus kam dann 1936 in die Hände eines Privatmannes. Die schwerern Bombenschäden nach dem Angriff im September 1943 machten einen Wiederaufbau unmöglich.
(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S. 47)

Arbeiter- und Soldatenrat
Am 6. November 1918 teilte der Bremerhavener Festungskommandant, Vizeadmiral Schröder, den Arbeiterführern Arnemann, Geiger Hoffmann, Schlüter und Stampe mit, daß die Marinemannschaften den Gehorsam verweigerten und einen Umzug durch die Unterweserorte planten. Er wollten wissen, wie sich die Arbeiterschaft zu dieser Demonstration verhalten würde.
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Die Arbeiterführer erklärten, daß sie sich der Revolution anschließen, aber Blutvergießen vermeiden wollten. Auf der "Bürger" setzten sich die Arbeiterführer an die "Spitze" des Matrosenumzuges. Auf dem Marktplatz hielt August Stampe eine Ansprache, in er die Matrosen aufrief, nur bei Widerstand die Waffen zu gebrauchen. Fritz Thienst berichtete von den Ereignissen in Kiel und den Forderungen der Matrosen, denen sich die Bremerhavener Mariner sofort anschlossen.
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Am 7. November wurden ein Soldatenrat  und ein Arbeiterrat gewählt Man einigte sich auf ein vorläufiges Programm:
1. Unterstützung aller Bestrebungen für den Abschluß eines Waffenstillstandes und eines Friedens
2. Beschleunigte Demokratisierung in Reich, Staat und Gemeinden
3. Einfluß des Arbeiter- und Soldatenrates auf die Lebensmittelversorgung
4. Verkürzung der Arbeitszeit
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Die Umwälzung verlief an der Unterweser ohne jedes Blutvergießen. Am 10. November bewegte sich ein mächtiger Zug von Arbeitern, Matrosen und Soldaten des Heeres mit Musik und Fahnen durch die Hauptstraßen der Unterweserstädte. Die staatliche Macht lag nun in den Händen der Arbeiter und Soldaten.
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Der Vorsitzende des Bremerhavener Arbeiter- und Soldatenrates war August Stampe (1878-1965), der aus Wandsbek stammte und von 1903 bis 1912 in Bremen lebte. 1912 kam er als Sekretär der Bauarbeiter-Gewerkschaft nach Bremerhaven. Er war auch Vorsitzender des Ortsvereins Bremerhaven der SPD. Nach vierjähriger Soldatenzeit im I. Weltkrieg kehrte August Stampe 1918 nach Bremerhaven zurück und war hier entscheidend bei der Bildung des Arbeiter- und Soldatenrates im November 1918 beteiligt. Von 1919 bis Juli 1920 gehörte August Stampe als Senator für das Bauwesen der vorläufigen Regierung der  Freien Hansestadt Bremen an.
(Harry Gabcke u.a.: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten 1827-1918, Band I, NWD-Verlag 1992, S. 202f)

Arbeitskampf 1928
Der letzte große Arbeitskampf der Werftarbeiter  um bessere Löhne und kürzere Arbeitszeit vor der Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 fand im Herbst 1928 statt. Obwohl in Bremerhaven die Schließung der Tecklenborgwerft inzwischen beschlossen war und während der Auseinandersetzung auch tatsächlich erfolgte, wollten die Werftarbeiter auf die Chance, die immer noch niedrigen Löhne nach dem Auslaufen des geltenden Tarifvertrages aufzubessern, nicht verzichten. Eine Verkürzung der Arbeitszeit war ebenfalls überfällig, denn obwohl die Unternehmer den Rückgang Schiffbaus lautstark beklagten, wurden auf den deutschen Werften noch immer 52 Stunden wöchentlich gearbeitet, d.h. dar 1918 festgelegte Achtstundentag auf den Werften auch nach zehn Jahren Republik noch nicht galt.
Typisch an den Werftarbeiterkonflikten jener Zeit war, daß jede Lohn/Arbeitszeit-
auseinandersetzung in diesem Tarifbereich das Charakteristikum eines Großkampfes hatte. Die  Werftunternehmer an Ost- und Nordsee bildeten seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine geschlossene Abwehrfront. Sie traten allen von den Gewerkschaften geforderten Verbesserungen der Arbeits- und Lohnbedingungen als einheitlicher Unternehmerverband entgegen. Ein Umstand, der es den Gewerkschaften aufgrund ihrer Zersplitterung in Richtungs- und Branchenverbände außerordentlich schwer machte, auf den Werften Erfolge zu erzielen. Mehr als 40 Organisationen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der christlichen, Hirsch-Dunkerschen, kommunistischen, gelben und nationalen Gewerkschaften erhoben auf den Werften den Anspruch, Arbeiter und Angestellte zu vertreten.
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Bereits im Frühjahr 1928, nachdem etliche Großreedereien Schiffsneubauten in Auftrag gegeben und sich die Beschäftigungslage auf einigen Werften gebessert hatte, stellten die  Verbände der Werftarbeiter die Forderung auf eine Lohnerhöhung von 10 Pf. Die Löhne lagen zu dieser Zeit in Bremerhaven bei 71-75 Pf für gelernte, 64-68 Pf für angelernte und 56-69 Pf für ungelernte Arbeiter.
Die Verschlechterung der Lage bei Tecklenborg machte die Situation in den Unterweserstädten prekär, weil die Beschäftigungszahlen der anderen Werften weit unter denjenigen der Tecklenborg-Werft lagen, so daß der Verlust der bisher führenden Werft als besonders schwerwiegene angesehen werden mußte.
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Trotz dieser Situation ergab eine bereits im März 1928 durchgeführte Probeabstimmung auf den Werften mit 2582: 213 Stimmen eine überwältigende Mehrheit für einen eventuellen Streik. Nach ergebnislosen Verhandlungen griff der Schlichter ein und fällte nur mit seiner Stimme, also gegen die Stimmen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer einen Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Löhne um 5Pf vorsah.
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Vor dem Eintritt in neue Lohnverhandlungen gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Holzarbeiter- und dem Metallarbeiter-Verband, beide Mitglieder der Zentralwerftkommission der freien Gewerkschaften. Die Holzarbeiter hatten Sonderforderungen in Höhe von 15 Pf über dem Spitzenlohn der übrigen Werfthandwerker beschlossen, die zu vertreten von den übrigen Mitgliedern der Kommission abgelehnt wurde. Der Deutsche Holzarbeiter-Verband entzog daraufhin der Kommission das Mandat. Die Unternehmer lehnten jedoch ab, für die Holzarbeiter getrennt zu verhandeln. Daraufhin galten die Verhandlungen, noch ehe sie recht begonnen hatten, als gescheitert, und wieder hatte nun der Schlichter das Wort. Dieser fällte- abermals nur mit seiner Stimme- einen Schiedsspruch, der der Arbeitern 1 Stunde Arbeitszeitverkürzung und 4 Pf Lohnerhöhung für die nächsten 13 Monate brachte.Dieser Spruch wurde jedoch entgegen dem Verlangen der Werftunternehmer durch den Reichsarbeitsminister nicht für verbindlich erklärt.
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Die Werftarbeiter waren trotz ihrer nicht gerade guten Position angesichts der Verteuerung der Lebenshaltungskosten nicht bereit, dieses Ergebnis hinzunehmen, und so kam es am 1. Oktober 1928 zum Streik auf allen Werften an Ost- und Nordsee, an dem sich 42.000 Werftarbeiter beteiligten, von denen 26.599 organisiert waren. Ab 2. Oktober ruhte auf allen Werften die Arbeit.
Die gewerkschaftliche Zersplitterung kam während dieses Streik besonders deutlich zum Ausdruck.
Der Streik ging erst nach 14 Wochen zu Ende.
Schließlich wurde der Streik durch eine Schlichtung des Reichsarbeitsminister beendet.
Die längst überfällige Arbeitszeitverkürzung auf 48 Stunden konnte immer noch nicht erreicht werden.

(Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979, S. 296ff)
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Von der Machtübernahme zum Reichstagsbrand
Am 30. Januar 1933 hatte der Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt, die Nazis übernahmen an diesem Sonntag die Macht.
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Was das bedeutete, merkte der Modelltischler Fritz Ring aus Lehe schon am Montagmorgen. Als er um 7 Uhr an seinem Arbeitsplatz beim Norddeutschen Lloyd stand, sagte sein Meister zu ihm:"Ring, Hitler ist Reichskanzler geworden, jetzt ist es mit dem Streiken aus!" Fritz Ring war, wie schon sein Vater, Gewerkschafter und Sozialdemokrat.
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Während in Berlin die Kolonnen der SA bei Fackelschein durchs Brandenburger Tor zogen, versammelten sich in Bremerhaven im Gewerkschaftshaus "Eintracht" an der Deichstraße 55 dreihundert Männer der Schufo. Die Schufo war die Schutzformation des "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", eine Verteidigungstruppe der SPD und der Gewerkschaften. Waffen hatte die Schufo in Bremerhaven nicht.
Die Männer in der "Eintracht"hatten sich mit Spaten ausgerüstet, weil sie in dieser Nacht einen Machtrausch der SA und die Besetzung des Gewerkschaftshauses erwarteten.Herbert Feldmann, damals 21 Jahre alt, war dabei. "Genossen, wer nicht will, der soll jetzt gehen", hatte der Leiter der Schufo, Anton Haupt, an diesem Abend gesagt. Keiner ging.
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Der Reichsbanner hatte für den Angriff der SA einen Alarmplan ausgearbeitet. Friedrich Deppe von der Eisenbahngewerkschaft sollte mit Reichsbannerleuten den Jägerhof abriegeln, um Verstärkung für die SA aus Wurster Dörfern am Durchmarsch zu hindern. Das vereinbarte telefonische Alarmsignal kam nicht, der Angriff der SA blieb in dieser Nacht aus.
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Die Schufo schützte nachts Konsum-Geschäfte vor randalierenden SA-Leuten; es kam zu Schlägereien, planmäßig eingesetzt wurde der Reichsbanner in Bremerhaven nicht mehr. "Wir diskutierten, was wir machen sollten- es war nichts mehr zu machen. Einmal standen wir zu zweit im Eingang der "Eintracht" erinnert sich Georg Dörhage vom Reichsbanner, "da kam ein SA-Mann in Uniform vorbei. "Anpissen müßte man euch," sagte er und zog die Pistole. Wir standen da und sagten nichts."
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Der Parteisekretär der SPD, Heinrich Kammerahl, mußte vor seinen Genossen in der Schufo eingestehen:" Wir können nichts mehr machen, wir können nur noch die Faust in der Tasche ballen." Und als die Polizei eine Wahlveranstaltung der SPD bei "Weiß" in Speckenbüttel (heute Union) auflöste, weil der Redner Bernhard Vogelsang in den Saal rief:" Als Adolf Hitler noch kein Deutscher war...", da stürzten die Reichsbannerleute auseinander, flüchteten aus den Fenstern. "Keiner hatte mehr Mut. Waffen gab es für uns nicht", beschreibt Ewald Deppe, der damals im Reichsbanner war, die Situation.
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Die politischen Parteien waren zu einem aktiven Kampf gegen die neue Gewalt nicht gerüstet oder nicht bereit. Die KPD kämpfte gegen die parlamentarische Republik von Weimar und die Sozialdemokratie. Sie hatte in den letzten Jahren zwar die Illegalität geübt, war aber auf den brutalen Terror der Nazis nicht eingestellt. Die lokale SPD stand in ihrem Kampf auf dem politischen und propagandistischen Sektor allein; gewaltsame Alternativen zur politischen Auseinandersetzung hatte sie weder vorbereitet noch gewollt. Die bürgerlichen Kräfte traten zur Verteidigung der Republik nicht an; sie waren nur darauf  bedacht, daß "die ordnungsgemäße Weiterführung der Verwaltung gewahrt bleibt" (Oberbürgermeister Beckè am 7.3.1933 vor dem Magistrat.)
Dabei hatte man die Gefahren durchaus kommen sehen.
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Der Parole der Nazis "Die Nacht nach dem Siege gehört euch SA-Leute, sie wird die Nacht der langen Messer!" hatte das SPD-Organ "Vorwärts" 1932 auf einem Plakat in Bremerhaven entgegengesetzt:"Die wilden Männer vom Hakenkreuz bringen dieser blutrünstigen Parole gewiß wärmste Sympathie entgegen, aber so schnell geht es dann doch nicht! Schließlich sind wir ja auch noch da..."
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Die Nacht der langen Messer kam schneller, als jener SPD- Abgeordnete gedacht haben mag, der vor der Reichstagswahl vom 5.3.1933 auf einer Parteiveranstaltung in Loxstedt zu Adolf Hitler ausrief:" Aber der Mann hat doch `n Eid auf die Verfassung geschworen."
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Die Nacht der SA, des Nazi-Terrors, begann am Abend des 27. Februar 1933. Über Rundfunk, Telegraf und Nachrichtenagenturen lief die Meldung:
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"Der Reichstag brennt."
Hitler erklärte an der Brandstelle:"Das ist ein von Gott gegebenes Zeichen, niemand wird uns von nun daran hindern, die Kommunisten mit eiserner Faust zu vernichten."
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Die Lokalnachrichten der Nordwestdeutschen Zeitung (NWZ) an den folgenden Tagen zeigen, daß Polizei und Verwaltung in Bremerhaven und nicht zögerten, gemeinsam mit der SA die Worte Hitlers in die Tat umzusetzen. Noch in der Nacht vom 27. zum 28. Februar durchsuchte die Polizei das Haus der "Nordwestdeutschen Volksstimme" und beschlagnahmte "verschiedenes Material".
 Und am Morgen des 28. Februar begannen die  Hausdurchsuchungen bei "kommunistischen Funktionären und Parteigängern nach Waffen, Druckschriften, Flugschriften und Zersetzungsschriften hochverräterischen Inhalts". Die NWZ berichtete täglich über "Kommunistenverhaftungen in den Unterweserorten", geplante "Terrorakte der Kommunisten","Verbot der SPD- und KPD-Presse in Preußen", "KPD-Bureaus in Bremerhaven geschlossen".
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Die neuen Machthaber konnten dennoch nicht verhindern, daß am 3. März 1933, zwei Tage vor der Reichstagswahl, eine letzte große Demonstration von SPD und KPD gegen den Faschismus in Bremerhaven stattfand. Dazu aufgerufen hatte die "Eiserne Front", die seit Dezember 1931 Gewerkschaften, SPD, Arbeitersport und Reichsbanner zur Abwehr des Nationalsozialismus gebildet hatten: Zwei Nazis hatten einen Reichsbannermann am 28. Februar 1933 auf dem Markplatz niedergestochen(NWZ vom 28.2. und 1.3.33).

Neuntausend Bremerhavener, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Mitglieder der Konsumvereine, der Reichsbanner mit Trommeln und Pfeifen, Kommunisten mit Schalmeienkapellen, marschierten in langem Zug von Bremerhaven  nach Lehe. Zum letzten Mal hing Leni Ring die 3 m lange Fahne mit den drei Pfeilen der "Eisernen Front" aus dem Fenster. Auf dem Leher Neumarkt hielt der SPD-Parteisekretär und Reichsbannerführer Heinrich Kammerahl seine letzte große Rede gegen den Faschismus. "Mit dem Stimmzettel werden wir sie besiegen", rief er aus. Sein damaliger Fahrer, Franz Barya, meint 20.000 Menschen hätten ihm zugehört. Die SA ließ auf der Hafenstraße eine Gegendemonstration mit 109 Menschen aufmarschieren. Es kam zu Auseinandersetzungen, die Polizei griff ein. Nur Sozialdemokraten, Heinz Wenke, Fidel Spohler, Bernd Britzwein, Wilma Wagner, wurden später deswegen bestraft.
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Die Demonstration vom 3. März 1933 war er erste und zugleich letzte Akt gemeinsamen öffentlichen Widerstandes von SPD und KPD. Es begann die Zeit der Angst und des Verbergens.
(Manfred Ernst: Der aufrechte Gang-Widerstand und Verweigerung in Bremerhaven 1933-1945, 1985 by Dr. Manfred Ernst, Gesamtherstellung Ditzen Druck und Verlags-GmbH, S. 13ff)
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Widerstand aus der Arbeiterbewegung
Die Verhaftungswelle nach dem Reichstagsbrand richtete sich in den Unterweserorten in erster Linie gegen die Mitglieder der KPD. Den Übergriffen der SA, die in Bremerhaven am 1.3.1933 als Hilfspolizei vereidigt wurde, waren die Kommunisten offenbar fast wehrlos ausgeliefert.
Schon seit dem 2. Februar 1933 waren in Preußen alle im Freien stattfindenden Demonstrationen und Versammlungen der KPD verboten. Mit den Massenverhaftungen nach dem Reichstagsbrand im März und April 1933 versuchten SA und Polizei, die innere Organisation der KPD zu zerschlagen.
Am 3. März 1933 schloß die Polizei die KPD-Büros in Bremerhaven.Trotz- oder gerade wegen- aller dieser Maßnahmen wehte am 1. Mai 1933, als die Nazis ihren "Tag der nationalen Arbeit" mit Aufmärschen begingen, am Schornstein über dem Eisenbahnbetriebswerk in Lehe eine große rote Fahne mit Hammer und Sichel. Sie blieb dort mehrere Tage hängen, obwohl Steigeisen zum Kopf des Schornsteins führten. Eisenbahner hatten das Gerücht verbreitet, die obersten Stufen könnten angesägt sein...
Trotz der Massenverhaftungen bemühten sich einzelne Genossen, die Parteiorganisation und den Widerstand gegen die Nazis aufrechtzuerhalten. In einem Hochverratsverfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) Bremen, über das die NWZ vom 24.7.1934 berichtet, wurden Willy Vogel und elf andere Kommunisten angeklagt, bis Juli 1933 durch "den Besitz und Vertrieb von Beitrags- und Unterstützungsmarken, Flugblättern und Broschüren", durch Versammlungen, auf denen Folkert Potrykus sprach, "den Wiederaufbau der illegalen Organisation der KPD bezweckt zu haben" zu haben. Unter Vorsitz eines Dr. Roth verurteilte das Gericht Willy Vogel zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis.
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Bei der Verhaftung von Willi Vogel fand die Staatspolizei Beitragsmarken für die KPD und die "Rote Hilfe" sowie Flugblätter und "illegale Schriften". "Als der Hauptkassierer der Partei verhaftet wurde", erzählt Willy Vogel, "übernahm ich seine Stellung. Sechs bis acht Unterkassierer hielten den Kontakt zu den einzelnen Genossen. Die Beitragsmarken und die Flugblätter brachte ein Kurier aus Bremen. Die Flugblätter haben wir tagsüber- nicht nachts, das wäre verdächtig  gewesen- in die Briefkästen gesteckt. Wir hatten Angst; selbst den Genossen konnte man nicht mehr trauen. Heute hast Du einem Genossen noch die Hand  gegeben und am nächsten Tag sahst du ihn in SA-Uniform. Ich dachte, das sind doch auch Arbeiter."
Willy Vogel wurde auf dem "Gespensterschiff" sonderbehandelt. "Der Gefängniswärter im Bremischen Amt hat geweint, als er mich später sah. Meine Frau durfte wegen der Verletzungen drei Wochen nicht zu mir."
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Treffpunkt mit den Kurieren aus Bremen war u.a. der Kilometerstein 30 an der Bremer Chaussee. Dorthin fuhr man mit dem Fahrrad, um gesammelte Beiträge zu übergeben und Flugblätter und Beitragsmarken zu erhalten. "Am Anfang fuhren wir bis Bremen mit dem Rad", berichtet Hein Meyer, "um die Beiträge abzurechnen und um neues Material zu holen. Wir hatten immer ein Fischpaket als Tarnung dabei. Die Flugblätter haben wir dann am Schiffdorferdamm und in den Blocks in der Friedrich-Ebert-Straße am Bahndamm verteilt."
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Hein Meyer, 1933 war er 30 Jahre alt, arbeitete als Fischarbeiter im Fischereihafen. "Der Schuppen, in dem ich arbeitete, war als "rote Bude" verschrien, drei oder vier Genossen arbeiteten dort." Hein Meyer wohnt noch heute dort im Haus seiner Eltern, Am Kuhhamm 11, neben der Schiffdorfer Chaussee. Sein Vater war Lagerarbeiter "auf`m Konsum", beide waren erst bei der USPD und 1920 der KPD beigetreten. Die Dammer hatten eine eigene Ortsgruppe, 35 Männer, 10 Frauen. Sie trafen sich im Gasthof Cordes in der Veerenstraße, Kuriere aus Bremen konnten dort unverdächtig Kontakt aufnehmen.
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In den Unterweserstädten hatte die KPD als Ersatz für den seit 1929 verbotenen "Rot-Frontkämpfer-Bund" (RFB) sog. "Häuserschutzstaffeln" und den "Roten Massenselbstschutz" gegründet; dazu gehörte in Bremerhaven auch die "Rote Marine", eine Gruppe, die nur aus Seeleuten bestand.

In einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 3.8.1934 gegen 79 kommunistische Angeklagte aus Bremerhaven "wegen Vorbereitung zum Hochverrat pp." werden die Aktivitäten des "Roten Massenselbstschutzes" dargestellt. Dieses Urteil ist eines der wenigen zeitgeschichtlichen Dokumente über KP-organisierten Widerstand in unserer Stadt am Anfang der Nazi-Zeit.
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Danach soll eine große Zahl der Angeklagten an "militärischen Übungen" des "Roten Massenselbstschutzes" "in Uniform, schwarzes Hemd, roter Schlips", teilgenommen  haben. Eine dieser Übungen fand am 18. Dezember 1932 "mit Generalstabskarten" an der Baggerkuhle in Langen statt, eine zweite "nach eingetretener Dunkelheit" am 19. Februar 1933 an der Pipinsburg. "Bei der zweiten Übung", so das OLG Hamm, "hatte die Rote Marine einen Berg besetzt, den die anderen Züge stürmen mußten. Hierbei wurden auch Leuchtraketen abgeschossen." Auf einer anderen Versammlung des verbotenen RFB hatte am 13. Februar 1933 am Bismarckturm der Gauleiter der KPD, Winter, zur Verhinderung eines SA-Propagandamarsches aufgerufen.
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Zum Schutz gegen die SA oder zum Widerstand eingesetzt wurden der "Rote Massenselbstschutz" ebensowenig wie die wenigen Waffen, die einzelne Parteimitglieder offenbar organisiert und versteckt hatten. Die NWZ berichtete schon am 3.3.1933 im Zusammenhang mit "Kommunistenverhaftungen" von Waffenfunden im Laubengelände, am 29.3.1933 von Waffen, die bei Hausdurchsuchungen gefunden wurden. Im Urteil des OLG Hamm wird geschildert, daß die Polizei am 21.4.1933 Waffen in einer "mit Dachpappe umwickelten Kiste" in der Gartenbude des Maschinenschlossers Friedrich Schmidt ausgegraben habe: 4 Vogelbüchsen mit Munition, 2 Militärgewehre 71, 4 Karabiner 98 mit 100 Schuß, 2 Vorderladergewehre, 4 Sprengkörper, 4 Stangen Romperit-Sprengstoff, 4 Sprengkapseln, 4 Zündschnüre.
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Die illegale Propaganda
Liest man die Nachrichten in der damaligen Presse und die Urteile gegen Bremerhavener Kommunisten genau,  so müssen den Nazi-Machthabern weit gefährlicher als Waffen die Solidarität der Parteimitglieder sowie das gesprochene und geschriebene Wort erschienen sein. Die ersten Angriffe der Nazis richteten sich gegen die Zeitungen, Flugblätter und Wahlplakate von SPD und KPD. Selbst unbedrucktes, "neues Papiermaterial" beschlagnahmten sie Ende März 1933 bei einem KP-Mitglied (NWZ vom 29.3.1933).
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Den Verstecken von Schreibmaschinen und Vervielfältigungsapparaten widmete das Oberlandesgericht Hamm in seinem Urteil vom 3.8.1934 die größte Aufmerksamkeit; denn diese Geräte, in den Händen von Kommunisten, "waren geeignet, die umstürzlerischen Ziele der KPD zu fördern", und alles das war "Vorbereitung zum Hochverrat".
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Gesine Schildknecht ging abends los "mit Pinsel und Pott, erzählt ihr Sohn Alfred. Ihr Mann, Ernst Schildknecht, seit 1920 Mitglied der KPD, war verhaftet. "Vater sitzt dafür, und dafür kämpfe ich weiter", sagte sie zu ihren Kindern. Ernst Schildknecht hatte die "Kleine Arbeiter-Zeitung" von Folkert Potrykus verteilt. Dafür erhielt er 1934 ein Jahr und fünf Monate Gefängnis. Nach seiner Entlassung hat er als Dreher bei Seebeck gearbeitet. 1937 wurde er erneut verhaftet. Er hatte lauthals seine Sympathie für den Kampf der spanischen Republik gegen die faschistischen Angreifer erklärt. Er wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und kam danach "als unbelehrbar" ins KZ, zuerst nach Sachsenhausen, dann nach Buchenwald. Als seine Söhne von der Gestapo hörten, ihr Vater würde entlassen, wenn sie sich freiwillig zur Marine melden, gingen sie zur Marine-vergeblich. Ernst Schildknecht ist in Buchenwald verhungert. Am Tage nach seinem 58. Geburtstag erschien die Todesanzeige. In der es hieß:"Die Beisetzung wird noch bekanntgegeben." Die Familie wußte nicht, wann sie die Urne erhalten würde.
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Als am 1. August 1933 in Hamburg das erste Todesurteil der Nazi-Justiz gegen vier Kommunisten vollstreckt wurde, zog Hein Meyer in der nächsten Nacht mit seinem Bruder Willy und mit Anton Schlüter los. Sie schrieben ihren Protest gegen das Urteil mit Ölfarbe an die Wand der Übelandzentrale Bürgerpark-Süd. "Vier Unschuldige der KPD in Altona hingerichtet! Rache!"
Am nächsten Morgen lasen es die Arbeiter, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit fuhren. Mittags hatte die SA die Parole mit Teer übermalt.

In den Tages- und Monatsmeldungen der "Staatspolizei für Reg.-Bez. Stade in Wesermünde" wird regelmäßig berichtet, daß "die kommunistischen Wühlereien" in den Betrieben von Seebeck und Achgelis weiter andauern.
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Mit großer Beharrlichkeit bemühten sich die Mitglieder der KPD, durch das Herstellen und die Verbreitung von Flugblättern ihren Widerstand in die Öffentlichkeit zu tragen.
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Der Höhepunkt dieser mutigen und gefahrvollen Propaganda-Arbeit war erreicht, als im August 1933 die "Kleine Arbeiter-Zeitung" in den Unterweserstädten "illegal" erschien. Sie berichtete über die wirtschaftliche Misere des NS-Regimes, über die Folterungen und den Terror der Nazi-Machthaber. Die Zeitung- drei Blätter im DIN-A4-Format- reichten sich die Arbeiter heimlich weiter, mit der Post gelangte sie anonym an Bremerhavener Bürger. Der Verfasser war Folkert Potrykus, ein 33jähriger Dreher aus Bremerhaven.
Ende der 20er Jahre, in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit, brachte Potrykus täglich die "Arbeiter-Zeitung", das Organ der KPD, aus Bremen mit dem Zug nach Bremerhaven. Er begann als sog. Arbeiterkorrespondent, kleinere Artikel über Bremerhavener Ereignisse zu schreiben.
Die Arbeiterzeitung holte Potrykus als Redakteur nach Bremen, er erlebte Verbote und Beschlagnahmen der Arbeiter-Zeitung, wurde schon vor 1933 mit 26 Hochverratsverfahren wegen seiner Zeitungsartikel überzogen.
Am 4. Februar 1933 hielt Potrykus in Bremen im großen Saal der Central-Hallen eine Rede zum Gedenken an den 4. Februar 1919 (Kampf für die Räterepublik in Bremen) und ging "scharf auf die spannungsgeladene Gegenwart ein". Die Polizei schloß die Versammlung mit Gewalt. Gemeinsam mit Gewerkschaften, Konsumgenossenschaftlern und Reichsbannerleuten organisierte er im Gebiet des Focke-Museums in Bremen einen Roten Massenselbstschutz: Wir bewachten Konsumläden, das Distriksbüro der SPD und verjagten Sabotage- und Schlägertrupps der SA."
Potrykus bekam von der Parteileitung den Auftrag, die durch die Massenverhaftungen unterbrochenen Kontakte der KPD im Bezirk Nordwest neu zu knüpfen. Er stellte zu den Arbeitern in Oldenburg, Emden und Wilhelmshaven wieder Verbindungen her, kam dann nach Bremerhaven.
Potrykus versuchte, den Widerstand zu organisieren, sprach auf Parteisitzungen, sorgte für die Beschaffung und Verteilung von Flugblättern. "Unsere illegale Gruppe wurde größer", heißt es in seinen Erinnerungen.
Folkert Potrykus wurde am 8.10.1933 von der Gestapo verhaftet.
Es war Verrat im Spiel.
Potrykus wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und anschließend ins KZ Esterwegen, später ins KZ Sachsenhausen. Am 1.2.1938 war Folkert Potrykus wieder Zuhause, als Krüppel, er mußte wegen Verletzungen, die ihm die Nazis in der Haft zugefügt hatten, zeitlebens ein Stahlkorsett tragen. Nach dem Kriege, 1946, gehörte Potrykus für die KPD der ersten Stadtvertretung Wesermündes, dem Stadtrat, an und später der Stadtverordnetenversammlung bis zu seinem Ausscheiden während der Legislaturperiode 1951 bis 1955.
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Mit der Verhaftung von Folkert Potrykus erlosch zunächst der Widerstand der KPD in Bremerhaven. Die führenden und aktiven Genossen waren in Haft, wurden später verurteilt und verschwanden in den Zuchthäusern und KZ-Lagern des 3. Reiches.
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Als Karl Salomon Anfang April 1935 aus der Haft entlassen wurde, wußte er was heißt, in den Gefängnissen der Nazis zu sitzen.
Am 1. März 1933 hatte die politische Polizei "drei kommunistische Funktionäre in Haft genommen, darunter der kommunistische Stadtverordnete Salomon, der sich schon immer durch eine besonders hetzerische Tonart hervortat.
Karl Salomon erhielt sogleich nach seiner Entlassung von der Parteileitung in Bremen den Auftrag, die KPD in der Illegalität neu zu organisieren  und den Kampf gegen die Nazis fortzusetzen.
Salomon stellte fest, daß es 1935 einen Zusammenhang unter den KP-Genossen nicht mehr gab, es wurde nur vereinzelt in Gruppen diskutiert. Verbindungen nach außen waren abgebrochen. Er stellte neue Kontakte unter den Bremerhavener Genossen zu Anton Kessler von der illegalen KPD in Bremen her, lieferte und bekam über Kuriere Informationen.
(Manfred Ernst: Der aufrechte Gang-Widerstand und Verweigerung in Bremerhaven 1933-1945, 1985 by Dr. Manfred Ernst, Gesamtherstellung Ditzen Druck und Verlags-GmbH, S. 19ff) .
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Ebenso wie bei der KPD wurden führende Funktionäre der SPD und der Gewerkschaften in den Monaten nach dem Reichstagsbrand von der Polizei verhaftet oder von den Nazis in Schutzhaft genommen. Schon in der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933 hatte die Polizei die Räume der "Norddeutschen Volksstimme" am Hohenzollernring (heute Friedrich-Ebert-Straße 1) durchsucht. Am 28./29. März 1933 nahm die Kripo den Chefredakteur dieser Zeitung, Gerhard van Heukelum, gemeinsam mit dem Direktor der Ortskrankenkasse, Eckermanns, fest. Über die Durchsuchung in der "Norddeutschen Volksstimme" berichtet die NWZ:" Es wurden Schriftstücke gefunden, die auf eine planmäßige Bespitzelung der Polizei seitens gewisser SPD-Funktionäre hindeuten."
Van Heukelum hatte als "Leuchtturmwärter vom Roten Sand" Kolumnen geschrieben in denen er, informiert von sozialdemokratischen Polizeibeamten, die zunehmende Durchsetzung der Polizei mit Nazis und geheimen Spitzeln aufdeckte.
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Bis zum Juni 1933verhaftete die politische Polizei fast sämtliche führenden Sozialdemokraten und Gewerkschaftler, am 2. Mai 1933 u.a. Landgraf, Vogelsang, Seidel, Kammerahl, Menkens, Haltendorf, Kassebohm u.v.a. Am 22. März wurden Reichsbanner und Eiserne Front verboten, tags darauf durchsuchten Polizei und SA das Gewerkschaftshaus "Eintracht" in der Deichstraße. Den Betriebsräten und Betriebsobleuten wurde die Ausübung ihrer Tätigkeit untersagt. Am 2. Mai besetzten besetzten die Nazis alles Büros und Häuser der Gewerkschaften und übernahmen deren Vermögen...
(Manfred Ernst: Der aufrechte Gang-Widerstand und Verweigerung in Bremerhaven 1933-1945, 1985 by Dr. Manfred Ernst, Gesamtherstellung Ditzen Druck und Verlags-GmbH, S. 49ff)

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Es fehlte nach dem II. Weltkrieg nicht nur an Wohnraum. Das Geld war faktisch wertlos geworden. Steigende Preise und ein sich ausweitender Schwarzmarkt kennzeichneten die Situation vor 1948. In vielen Familien fehlten die einfachsten Dinge des täglichen Lebens. Die Menschen beschäftigten sich notgedrungen eine große Zeit des Tages vor allem damit, Essen, Trinken, Bekleidung und die Dinge des täglichen Lebens auf irgendeine Weise zu organisieren und ihr Überleben in dieser schweren Zeit zu sichern. Man war froh, wenn man wieder Arbeit hatte, und das wenige Geld reichte meist vorn und hinten nicht. Wenn es dann noch irgendwo Einschränkungen gab, lief das Faß schnell über und die Geduld war am Ende.

So kam es wohl auch zum Streik auf der Seebeckwerft und bei Rickmers 1948 wegen der Kürzung der Zulagekarten. Der Betriebsrat erklärte, daß die Kürzung nur ein letzter Anstoß gewesen sei, da schon seit der Weihnachtswoche der Fettaufruf ausgeblieben sei. Die Direktion der Seebeckwerft wies auf die unzulänglichen Arbeitsverhältnisse hin. Ihrer Ansicht nach hatte es sich bei der Arbeitsniederlegung um die Reaktion von Leuten gehandelt, die hungerten. Die Metallarbeitergewerkschaft erkannte die Arbeitsniederlegung nicht an. Der ÖTV-Vorsitzende Bock äußerte die Ansicht, der ganze Vorgang sei "bestellte Arbeit" der KPD. Alle Schweißer und Schmelzer der Bremerhavener Werften hatten die Schweißarbeit eingestellt.
Obwohl sie an anderen Arbeitsplätzen in den Betrieben mitarbeiteten, weigerten sie sich, die mit dem Einatmen giftiger Gase verbundene Schweißarbeit weiterzuführen, seit ihnen die schon reduzierte Milchzuteilung für Giftarbeiter völlig gestrichen worden war.

Man kann an diesen Vorgängen recht gut nachvollziehen, in welchem antikommunistischen Klima des schon beginnenden Kalten Krieges sich Streiks für Lebensmittelkarten oder Schweißermilch abspielten.

Im Juni 1951 kam es in der  Schweißerei der Seebeckwerft zu einem fünfstündigen Streik der Schweißer und Brenner. Anlaß war das unkollegiale Verhalten eines Schweißers. Erst nach der Intervention eines Gewerkschaftssekretärs und der Umsetzung des Schweißers durch die Werftleitung wurde der Konflikt entschärft.

IG-Metall-Streik 1953
6- wöchiger Streik der IG-Metall für die Erhöhung  der Stundenlöhne.
Die "Nordsee-Zeitung" schrieb am 25. April 1953: "Ab heute Streik auf den Werften."
Am 27. April 1953 wurde von, als Streikbrecher eingesetzten, Meistern und Lehrlingen der Fischdampfer Max Grundebach des Unterweser-Slip zu Wasser gelassen. Die Namen der Streikbrecher blieben unbekannt.
28. April 1953: Von der Seebeckwerft hatte die Reederei J. A. Reinecke, Hamburg, den 1500 BRT großen Motortanker "Hinrich" nach Hamburg schleppen lassen, um ihn dort mit eigenen Mitteln  fertig zu bauen. Der Neubau stand kurz vor seiner Ablieferung.
1. Mai: Streikenden Werftarbeitern wurde gekündigt. Die Werften im Lande Bremen stellten  den 14 000 streikenden Werftarbeitern ein Schreiben zu, in dem diesen mit sofortiger Wirkung gekündigt wurde.11
5. Mai 1953: Die NZ schrieb, daß die KPD versuche, aus dem Werftarbeiterstreik Kapital zu schlagen. "Wie festgestellt wurde, suchen seit einigen Tagen Kommunisten die hiesigen Geschäfte auf und bitten um Geld- bzw. Sachspenden für die Streikenden oder zur Unterstützung von deren Familien."12
Am 7. Mai 1953: Ein KP-Dringlichkeitsantrag zum Werftarbeiterstreik in dem gefordert wurde, aus Landesmitteln den streikenden Arbeitern eine  Unterstützung von wöchentlich 20 DM zu gewähren, wurde zwar von KPD und SPD unterstützt, fand aber keine Mehrheit.13 Weiter schreibt die NZ : "Für die erste Streikwoche werden, wie aus Bremen berichtet wird,  am Donnerstag und Freitag an alle gewerkschaftlich organisierten Streikenden Unterstützungen ausbezahlt, die je Arbeiter durchschnittlich 35 DM betragen. Für Familienangehörige gibt es Zuschläge." Das erste von der IG-Metall herausgegebene Blatt "Streik-Nachrichten" erschien  kurz darauf. Ab dann erschien es täglich.  Die IG-Metall erklärte darin: Durch die geforderte Stundenlohnerhöhung um acht Pfennige würden die Lohnkosten um etwas mehr als 5 % ansteigen. Der Lohnanteil an den gesamten Produktionskosten sei aber in den letzten Jahren immer geringer geworden.
Die Lohnerhöhung betrage infolgedessen auf eine DM Umsatz einen Pfennig. Weiter hieß es in den "Streik-Nachrichten":  Mit großer Entschiedenheit wenden sich unsere Kollegen gegen die Treibereien der KPD, für die offensichtlich große Geldsummen zur Verfügung stehen.14
Am 12. Mai 1953 verzeichnet das Wachbuch der Streikleitung:" Um halb acht Uhr konnten die Streikposten bei Sieghold nicht verhindern, daß Arbeiter, Angestellte und Lehrlinge ohne Ausweise die Werft betraten, da dieses unter Polizeischutz geschah. Die Wache wird am Mittwoch auf 45 Mann verstärkt."
Am 13. Mai wurde die Streik-Wache bei Seebeck auf 40 Mann von 5 - 8 Uhr verstärkt. Bei  der Sieghold-Werft wurden die Streikposten ebenfalls auf 40 Mann verstärkt. Da aber ein starkes Polizeiaufgebot da war, konnte wiederum nicht verhindert werden, daß Angestellte und Lehrlinge ohne Ausweise den Betrieb betraten.
Am 15. Mai 1953 fand bei Seebeck eine von der IG-Metall einberufene Mitgliederversammlung statt, auf der Gewerkschaftssekretär Bohnsack, Hamburg, sprach.15
21. Mai 1953: Neuer Vorschlag im Streik der Werftarbeiter. Arbeitgeber boten vier Pfennig an.
22. Mai 1953: Der Werftarbeiterstreik ging weiter. Die Vertrauensmänner der IG Metall im Lande Bremen lehnten das Angebot der Arbeitgeber ab.
28. Mai 1953: KP- Betriebsgruppen überrumpelten Dienststellen. Die Kriminalpolizei fahndete nach Angehörigen der Betriebsgruppen der KP-Werften, die 500 als "Spenden der Arbeiterwohlfahrt Oldenburg" getarnte "Solidaritätspäckchen" aus der Sowjetzone einführten und verteilten. Die IG-Metall teilte mit, daß sie  Gutscheine für verbilligtes Brot an die Streikenden ausgeben werde.16
3. Juni 1953: Solidaritätsausschuß sammelte 8000 DM. Verfahren eingeleitet, da Sammlung nicht genehmigt. Rund 8000 DM Bargeld, außerdem Lebensmittel und Bekleidung, erbrachte  die vom  "Solidaritätsausschuß Bremerhaven" durchgeführte  Sammlung zur Unterstützung der Streikenden auf den bremischen Werften. Die IG Metall, Ortsverein Bremerhaven, distanzierte sich, soweit die Fälle ihr bekannt waren, von der Sammlung.17
6. Juni 1953: Einigung im Werftarbeiter-Streik. Ecklöhne um 5 Pfennig erhöht - Urabstimmung am Montag - Werften lagen 6 Wochen still.
8. Juni 1953: Werftarbeiter nahmen Stellung.  Zwei Werftarbeiterversammlungen fanden - eine bei Seebeck am Altmarkt und eine in der "Femina" - statt. Die Teilnehmer äußerten sich unbefriedigt.  Die IG-Metall erklärte, daß ein anderes Ergebnis  nicht erreichbar  gewesen sei.18
9. Juni 1953: Der Werftarbeiterstreik wurde beendet und das Abkommen angenommen. Am nächsten Tag erfolgte die Arbeitsaufnahme. Der Streik der 15 000 Werftarbeiter war damit beendet. Die zentrale Streikleitung der IG Metall teilte mit, daß das Abstimmungsergebnis die Dreiviertelmehrheit zur Fortführung des Streiks nicht erreicht hatte und damit das Verhandlungsergebnis, die Ecklöhne der gelernten Arbeiter um fünf Pfennig pro Stunde zu erhöhen, als angenommen galt. Auf allen Werften im Lande Bremen wurde am...  die Arbeit wieder aufgenommen.

Der Kampf um den Großen Blink
In den ersten Augusttagen des Jahres 1954 spitzte sich der Kampf der Bewohner des Großen Blink, gegen die drohende Enteignung ihrer Grundstücke und Häuser für die Nutzung der amerikanischen Besatzungsmacht, zu. Die "Notgemeinschaft Blink" wandte sich an die Bremerhavener Bevölkerung und bat um Hilfe. Die Arbeiter der beiden größten Werften, der Seebeckwerft und der Rickmerswerft, sandten Protestresolutionen an den Stadtverordnetenvorsteher. Sie verlangten die Rückgängigmachung der Beschlagnahme und forderten die Stadtverordneten auf, einen entsprechenden Beschluß zu fassen.
Am 10. Juli 1954 begann der Abrißbagger seine Arbeit.. Der Bagger arbeitete, bis einige hundert Menschen,  initiiert von der KPD, sich dem Bagger in den Weg stellten. Die Arbeiten mußten zunächst eingestellt werden.
Am 3. und 4. August 1954 wurde auf den Grundstücken der Blinkbewohner unter Zuhilfenahme starker Polizeieinheiten Hecken und Zäune niedergerissen. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf von seiten der Polizei mit Gummiknüppeln und gezogenen Pistolen auch gegen Frauen und Kinder vorgegangen wurde. Eine Gruppe  von Blinkbewohner bat die Belegschaften der Werften um Hilfe. Die Belegschaften der Rickmers- und der Unterweserwerft legten die Arbeit nieder und marschierten zum Blink und brachten dort zunächst die Abrißarbeiten zum Stoppen.19 Wo blieben die Arbeiter der Seebeckwerft?
Am Morgen des 4. August 1954 traf sich der Betriebsrat von Seebeck zwischen 10.30 und 12.30 Uhr und beriet über mögliche Aktivitäten bezüglich des Großen Blink. Robert Fiedler berichtete seinen Kollegen, daß er in den letzten Tagen laufend Anrufe vom Blink erhalten habe. Die Bewohner ersuchten ihn um Hilfe gegen Übergriffe. An diesem Morgen waren dann zwei Leute vom Blinkausschuß dagewesen, und hatten ihm ihre Lage dargelegt.
Robert Fiedler sagte, daß sich alle Parteien und Gremien mit diesem Problem befaßten und daß man als Betriebsrat die Angelegenheit nüchtern und sachlich betrachten sollte. Er habe den Eindruck, als ob die ganze Sache eine Geldfrage sei. Wenn man die Bewohner schnell und reell entschädigt hätte, wäre man vielerlei aus dem Wege gegangen. Auch hätten sich die deutschen Dienststellen ziemlich ungeschickt benommen. "Wir sind aufgefordert worden, die Tore zu schließen und die Leute am Blink gegen die Übergriffe der Polizei zu schützen." Er könne diese Verantwortung aber nicht übernehmen, auch sei die Zeit viel zu kurz, damit die Sache auch Erfolg habe. Rickmers und Unterweser sollten schon abmarschiert sein. Fiedler sei aber der Meinung, man solle die  Finger daraus lassen.
Der Betriebsrat Saxe berichtete, daß er vom Blink komme, wo man Frauen und Kinder in Zwangsjacken abführe, er forderte die Betriebsräte auf, deutsches Recht zu verteidigen.
Betriebsrat Wollweber (KPD)  vertrat die gleiche Auffassung. Er sagte, "Wir müssen die 2000 Mann von Unterweser und Rickmers unterstützen. Der DGB habe seinen Delegierten versprochen, nochmals zu verhandeln, aber es würde nichts gemacht."
Die Kollegen Wilke, Bellenhaus,Dehnkamp und Bröcker schlossen sich der Auffassung des Kollegen Fiedler an, daß "wir unsere Leute nicht auffordern könnten, auf die Straße zu gehen.
Kollege Koch berichtete, daß er die Vertrauensmänner einberufen habe und ihnen die Lage dargelegt habe. Die Kollegen seien der Auffassung, daß man größeres Unrecht dort verhüten müsse, wollten aber erst die Meinung der Betriebsräte hören."
Zum Abschluß Debatte ließ Robert Fiedler abstimmen, ob der Betriebsrat die Kollegen auffordern wolle, daß sie sich an dieser Demonstration beteiligen sollten. Es stimmte keiner dafür.

Am 18. November 1960 führten die Arbeiter (Seebeckwerft) in der Schweißhalle einen einstündigen Sitzstreik durch, weil die Betriebsleitung noch nichts gegen den andauernden Lärm unternommen hatte. Im gleichen Zeitraum konnten die Vertrauensleute anläßlich einer Buchkontrolle feststellen, daß der gewerkschaftliche Organisationgrad bei 80 Prozent lag.

Am 1.10.1970 kam es zu einem einstündigen Warnstreik bei Seebeck, den die gewerkschaftlichen Vertrauensleute gut vorbereitet hatten. Auf der Vertrauensleuteversammlung am 5.10.1970 berichtete Günther Linde, daß die Tarifverhandlungen gescheitert seien. Es werde jetzt die Schlichtung angerufen und das bedeute wiederum 22 Tage Friedenspflicht.
Am 26. Oktober 1970 demonstrierten 4.000 Arbeiter und Angestellten von Bremerhavener Werften, um gegen die erneut geplatzten Tarifverhandlungen zu protestieren.  Um 10 Uhr beschloß die Belegschaft der Seebeckwerft einen Demonstrationsmarsch zum Theodor-Heuss-Platz. Unter dem Ruf "Wir fordern jetzt 15 Prozent" griffen die Arbeiter von der Rickmers Werft die Idee auf und marschierten dem Zug entgegen. Dann zogen die Demonstranten zu den anderen Werftunternehmen. Arbeiter der Schichau-, der Unterweserwerft und des Werftbetriebes von Hapag-Lloyd stießen zu ihnen.  Auf dem Melchior-Schwoon-Platz sprach der IG-Metall-Bevollmächtigte John Rappeport zu den Arbeiter.  Er begrüßte die Demonstrationen und wies auf die Urabstimmung am übernächsten Tag hin, denn " ein Streik geht nicht an einem Tag zu Ende."

Streiks für Teuerungszulagen im Juni 1973
Auf Grund heftig steigender Preise und Inflation, kam es in der Mitte des Jahres 1973 zu einer Bewegung in den Großbetrieben, die Forderungen nach Teuerungszulagen stellte. Kein Wirtschaftsbereich war davon ausgenommen. In der Werftindustrie kam es zu Streikaktionen. 5.000 Vulkan-Arbeiter standen an der Spitze des Kampfes. Auch bei der Krupp-Werft Seebeck, Bremerhaven, kam es zu einer Aktion des größten Teiles der Belegschaft.
Am Montag, den 18. Juni 1973 um 12 Uhr: Der größte Teil der Belegschaft wirft nach einer Branchenversammlung die Brocken hin. Eine große Demonstration bewegt sich durchs Werk.
Hier wurde die Forderung nach einer Teuerungszulage von 280 DM gestellt. Auch andere Bremerhavener Werften forderten Teuerungszulagen. Am 21. Juni 1973 fand bei der Seebeckwerft eine außerordentliche Betriebsversammlung statt. Von seiten der Unternehmensleitung der AG "Weser" wurde im Vorgriff auf das Weihnachtsgeld 100 DM angeboten. Kommentar der "Werft-Nachrichten": ""Was wird hier gespielt? Es ist doch bekannt, daß diese 100 DM-Zahlung im Vorgriff auf ein erhöhtes Weihnachtsgeld von der Belegschaft einmütig abgelehnt wird. Mit gutem Recht! Denn 100 DM zu bekommen, die man ohnehin in der Tasche hat, hat ja wohl mit  einer Teuerungszulage nichts zu tun, sondern ist ganz schlicht und einfach ein ausgelegter Schwindel."

Streik vom 6.3.-27.3.1974
Höhepunkt der langen und harten Tarifbewegung 1973/1974 in der Metallindustrie war der dreiwöchige Streik der organisierten Metallarbeitnehmer im Tarifgebiet Unterweser. Ca. 52.000 Metallarbeiter in 86 Bremer und Bremerhavener Metallbetrieben  forderten 18% mehr Lohn   und Gehalt und 140,- DM für die Auszubildenden. Nach  erfolglosen Verhandlungen mit den Arbeitgebern erklärte der IG Metall-Vorstand am 31. Januar 1974 die Verhandlungen für gescheitert. Am 18. Februar 1974 erging ein Einigungsvorschlag der Schlichtungsstelle unter Vorsitz des Präsidenten des Landesarbeitsgerichts Bremen, Heinz Menkens: "14% Anhebung der Löhne und Gehälter, 70,- DM mehr Ausbildungsvergütung, 2 Tage Urlaub mehr in 1974, eine Pauschale für Kontoführungskosten  und Absicherung älterer Arbeitnehmer". Dieser Einigungsvorschlag wurde von der Tarifkommission der IG Metall am 25.2.74 einstimmig angenommen, von den Arbeitgebern aber abgelehnt. Daraufhin erfolgte am 28. Februar und 1.März 1974 die Urabstimmung. Die Metallarbeitnehmer entschieden sich mehrheitlich für Streik. Am Montag, den 11.März zogen morgens um 6 Uhr die Streikposten der IG Metall vor dem Haupttor und dem Eingang der Verwaltung der Seebeckwerft auf.

  Starke Demonstrationen- 10.000 in Bremerhaven
"In drei machtvollen Zügen demonstrierten am gestrigen Donnerstag (21.3.) Bremerhavens Metaller zur Kundgebung auf dem Theodor-Heuss-Platz. Dort sprach der 2. Vorsitzende der IG-Metall, Hans Mayr, vor rund 10.000 Kolleginnen und Kollegen. Zu den Sammelpunkten strömten die Kollegen der Betriebe Seebeckwerft, Rickmers, Unterweser, Schichau, Schlotterhose und viele andere schon eine bis eineinhalb Stunden vor dem Beginn der Demonstration. Schon hier auf den drei Sammelpunkten wurde deutlich: Die Front der Metaller steht unerschütterlich. Empörung und Zorn wachsen über die sture und provokatorische Haltung der Unternehmer und ihres Verbandes "Gesamtmetall"."
Am 25. März 74 stimmte die Große Tarifkommission dem Einigungsvorschlag zu und gab die Empfehlung an den IG Metall-Vorstand die Urabstimmung durchzuführen. Das Ergebnis wurde angenommen.

Am 5. Februar 1981 gingen 5.000 Werftarbeiter in Bremerhaven für ihre gefährdeten Arbeitsplätze auf die Straße. Die NZ schrieb dazu:" Eindrucksvolle Kundgebung gestern auf dem Theodor-Heuss-Platz. Aus nördlicher Richtung durch die Fußgängerzone brandete eine Woge vorwiegend gelber Helme, aus dem Süden schwappte über die alte Geestebrücke eine Welle blauer Schutzhelme- auf dem Theodor-Heuss-Platz vereinigten sie sich zu einem Meer, das die Grenzen des Platzes überflutete. Annähernd 5.000 Werftarbeiter formierten sich gestern vormittag zu  eindrucksvollen Demonstrationen und einer Kundgebung, bei der sie ihre Sorge um die Arbeitsplätze in der Werftindustrie deutlich machten."
Arthur Ledebur, der Bevollmächtigte der IG-Metall Bremerhaven, erinnerte daran, daß allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als 3.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Gerhard Lilienfeld von der Bezirksleitung der IG-Metall Hamburg sagte, allein seit 1975 sei die Zahl der Arbeitsplätze auf den Werften in Norddeutschland um 20 000 verringert worden. Im gleichen Zeitraum haben zehn Schiffbauunternehmen in Norddeutschland die Produktion eingestellt.

Am 21. Mai 1991 demonstrieren 1.500 Arbeitnehmer der Werft in der Georgstraße gegen die Streichung der Werfthilfen durch die CDU/FDP-Bundesregierung. 300 Werftarbeiter der Motorenwerke und 500 Kollegen der Lloyd-Werft folgten ebenfalls dem Aufruf der IG-Metall. Auf der Kundgebung auf der Georgstraße sagte Detlef Meyer, Leiter des Vertrauensleutekörper der SSW, die Werft habe fest mit Auszahlung von 20 Mio. DM Schiffbauhilfe gerechnet. Ohne sie gebe es keine Anschlußaufträge mehr.

Am 30. August 1991 demonstrierten erneut 4.000 Arbeiter und Angestellte gegen den Abbau der Werftenhilfe. Während der Kundgebung in der Stadthalle schlug Staatssekretär Bernd Neumann (CDU) und FDP-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Richter eine Welle von Aggressivität entgegen. Mit Transparenten, Signalhörnern, Trommeln aus Blecheimern, Buhrufen, Pfiffen und Pappnasen machten die Werftarbeiter ihrem Unmut und ihrer Enttäuschung Luft.

Gegen diesen Arbeitsplatzabbau demonstrierte die Belegschaft am 6. August 1993 mit 2.000 Demonstranten. Die Angst der Arbeiter ging dahin, daß sie befürchteten, daß mit dem beabsichtigten Bau einer Werft Meerestechnik Wismar für 0,5 Mrd DM durch den Vulkan, der Werftstandort Bremerhaven aufgegeben werden sollte.  Dort plant der Vulkan den Bau einer der modernsten Werften der Welt. In der Presse wurde Hennemann zu Recht kritisiert. Er rüste die Meerestechnik Wismar mit einer halben Millarde DM auf, um den Kampf mit den Giganten Japan und Korea aufzunehmen, vergesse dabei aber, daß der Vulkan seine Kraft immer noch aus den öffentlichen Mitteln des Landes Bremen sauge. Es mache keinen Sinn, einen hart umkämpften Markt für Tanker und Bulker erobern zu wollen, wenn dabei ein bereits eroberter Markt verlore gehe. Auf dem Spezialistenmarkt für Kreuzliner und Fähren hat Schichau Seebeckwerft bislang einen guten Platz.
Betriebsrat und Vertrauensleute der SSW kritisierten, daß der Vulkan zwar bereit sei 500 Mio. DM in die Neuerwerbung MTW zu investieren, gleichzeitig aber Entscheidungen über erforderliche Investitionen hinter der Doppelschleuse hinauszögere. Vordringlich wäre ein Dock, in dem Schiffe bis zur Panmax-Breite von 32 m gebaut werden könnten.
Schiffahrtsexperten sprachen  wieder einmal davon, daß die Werft das Jahr 1994 nicht überleben würde.
Nach Protesten und Forderungen aus der Belegschaft versprach Dr. Jürgen Gollenbeck ein Ingenieurbüro mit der Planung eines Panmax-Docks zu beauftragen. Für den Schleusenausbau als Voraussetzung zum Dock-Bau setzten sich auch der Magistrat von Bremerhaven und die die oppositionelle CDU ein.

Im Februar 1996 demonstrierten 19.000 Beschäftigte des Vulkan-Konzerns für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Größte Veranstaltung war die gemeinsame Betriebsversammlung der acht Bremerhavener Vulkan-Betriebe mit knapp 3000 Beschäftigten. Zentrales Thema der Veranstaltung war die Aufforderung an die Banken, einen Kredit in Höhe von 220 Mio. DM an den Vulkan auszuzahlen, um den Konzern vor dem drohenden Konkurs zu retten.

Am 22. Februar 1996 demonstrierten ca 20.000 Bremerhavener zum Thema "Bremerhaven muß 'Werftenstandort bleiben". Der Vulkan bebte und ganz Bremerhaven wachgerüttelt.
Unbezahlte Rechnungen über 220 Millionen DM und ein weiterer Liquiditätsbedarf von rund 2,3 Milliarden Mark haben die Bremer Vulkan AG in den Vergleich getrieben. Einstimmig billigte am 21.2.1996 der Aufsichtsrat den Vergleichsantrag. Neben der Konzernholding beantragte auch die zum Verbund gehörende Bremerhavener Schichau Seebeckwerft AG den Vergleich. Zum Vergleichsverwalter für Bremerhaven bestellte das Amtsgericht den Düsseldorfer Steuerberater Wolfgang van Betteray.