Historische Kaje heißt jetzt Baltimore Pier
Mit Taufe 170 Jahre langen Kontakt zu US-Stadt gewürdigt- Gedenktafel

170 Jahre ist es  her, dass die "Draper" aus Baltimore, als erstes Schiff in den Alten Hafen einlief. Jetzt hat wieder ein  Schiff aus der amerikanischen Stadt in Bremerhaven angelegt- zur Sail. Zur Erinnerung an die Verflechtungen beider Seestädte heißt die historische Kaje des Museums-
hafens seit gestern Baltimore Pier.

Kapitän Jan C. Miles und Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD) enthüllten am südlichen Ende des Museumshafens eine Gedenktafel aus Bronze. Sie ist zwischen Glasplatten in einem Edelstahlrahmen eingefasst. Miles ist Kapitän des Schoners "Pride of Baltimore II", der 1988 als Nachbau eines Balti-
more-Klippers aus dem beginnenden 19. Jahrhundert fertig gestellt  wurde.

Die Inschrift der Gedenktafel erinnert daran, dass sich die Stadt im US-Bundesstaat Maryland neben New York und Philadelphia zu einem bedeutenden Auswandererhafen in den Vereinigten Staaten entwickelte. "Der Norddeutsche Lloyd hat zwar zunächst die Metropole New York angesteuert", berichtete Schulz in seiner Ansprache. Anschließend seien jedoch auch Liniendienste und Auswanderungspassagen nach Baltimore ein-
gerichtet worden. Dadurch wurde Baltimore zu einem wichtigen Ziel für Bremerhaven, dem ehemals größten Auswandererhafen Europas.
               
Schulz erinnerte an die Einweihung des ersten Hafens "in der Keimzelle unserer Stadt": Am 12. September 1830 lief das Vollschiff "Draper" in den gerade erst fertig gestellten Alten Hafen ein. Von der historischen Kaje aus wurde der Grundstein für die Entwicklung Bremerhavens zum weltweit bedeutenden Seehafen gelegt. Die "Draper" kam aus Baltimore, "Stadt, die seither in den Beziehungen zwischen Bremerhaven und Amerika stets eine besondere Rolle gespielt  hat", betonte Schulz. Auch heute noch bestünden umfassende und traditionell gute Hafenbeziehungen zwischen beiden Städten.

Historische Spuren betont
Die Baltimore Pier befindet sich in unmittelbarer Nähe vom Deutschen Schiffahrtsmuseum und dem dezentralen Expo-Projekt "Abenteuer Spurensuche". Kein Zufall, so Schulz: Das Stück Kaje, das im vergangenen Jahr wieder ausgegraben wurde, sei der direkte Nachfolger der ersten Holzkaje von 1830. "Aus diese Weise machen wir die historischen Spuren unserer Stadt sichtbar, die ihre Gründung der damaligen Pionierleistung bremischer Hafenbauer verdankt."
Mit der Taufe der Kaje auf den Namen Baltimore Pier schlage die Stadt Bremerhaven einen  Bogen von ihren Anfängen zur heutigen Bedeutung als eine der größten Hafenstädte auf dem europäischen Kontinent", betonte der Oberbürgermeister.

Nordsee-Zeitung vom 1. September 2000