






Die "alte Banane" ist einsturzgefährdet
Hafenamt fehlt das Geld für Kajensanierung- Anlage
wird nicht genutzt

Die letzten Reste der "alten Banane" sind einsturzgefährdet, und die
Gleise, auf denen einst die Bananenkartons in den Waggons verschwanden,
liegen unter Gras. Die Keimzelle des Fruchtumschlags in Bremerhaven könnte ein
Fall für den Naturschutz werden.

Die Westkaje des Kaiserhafens III war jahrzehntelang im Volksmund nur als
"Banane" bekannt. Von den Kanarischen Inseln waren die ersten zwölf
Stauden schon 1902 angekommen, der mechanische Umschlag der Frucht begann jedoch
erst 1927 mit der Ankunft britischen Bananendampfers ""Tetela".
In dessen Laderäume langten zum ersten Mal Elevatoren, die die Stauden an Land
beförderten.
Das Grundkonzept dieser Fahrstühle hatte noch bis Mitte der 80er Jahre Bestand,
als am Schuppen F/G die neue Bananenumschlagsanlage entstand. Denn am alten
Standort an der Bückingstraße fehlten zwischen Kaje und den Bahngleisen der
Platz zum Aufstellen rationeller Förderbänder sowie Stauraum für Paletten und
die Abfertigung mehrerer Frucht-Lastzüge.
Wenn die Dampfer an der "alten Banane" lagen, standen die Lkw in
langen Schlangen vor dem schmalen Schuppen auf der Kaje. Die Franziusstraße als
Durchgangsstraße durch den Hafen mußte oft gesperrt werden, damit die
Bananenzüge rangieren konnten. Und immer, wenn die nächsten zwölf Waggons zur
Kaje dirigiert wurden, mussten auch die Laufbänder mit den Bananen wegen der
beengten Platzverhältnisse ruhen.
Reserve für Hafenlieger
Zwei Jahre nach der Eröffnung des neuen Fruchtterminals kam 1986 das Ende
der "alten Banane", noch ein paar Jahre später wurde der Schuppen
abgerissen. Übriggeblieben sind nur zwei schmale Bahnsteige, auf denen die
Hallenkonstruktion ruhte. "Betreten verboten, Einsturzgefahr", steht
heute auf großen Tafeln an den Rampen.
Das Hansestadt Bremische Hafenamt (HBH) nutzt die Kaje als Reserve für
Hafenlieger, "einen Nutzer gibt es nicht", sagt HBH-Chef Hinrich
Gravert. Auch deshalb werde zurzeit nicht daran gedacht, das Gelände
komplett abzuräumen. Vor allem aber fehle das Geld, die Reste abzubrechen und
die Schienen hochzunehmen, so Gravert.
Gedacht werde allenfalls daran, das üppig wuchernde Grün auf der "alten
Banane" kurz zu halten.
Nordsee-Zeitung vom 11. Juli 2000