![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Befallen vom "grünen Virus"
"Alexander von Humboldt" wird im Dock für die Wintersaison auf den
Kanaren vor bereitet
Foto: Peter Müller
05/2004
Kapitän Martin Poetting gerät beim Anblick der Alexander von
Humboldt ins Schwärmen: "Sie hat die Figur einer hübschen jungen Frau- die Dame
wird allerdings älter, doch die "Alexander von Humboldt" bleibt wie sie ist."
Damit die Bark nichts von ihrem Glanz einbüßt, wird sie im Rickmers-Lloyd-Dock
überholt.
Foto Peter
Müller 14.05.2004
Die "Alexander von Humboldt" liegt noch bis zum Wochenende im
Schwimmdock. 50 freiwillige Helfer helfen mit, den Großsegler für die nächsten
Fahrten flott zu machen: Am 18. September geht es in die Nordsee, und elf Tage
später heißt es wieder Abschied nehmen von der
Heimat. Über Brest, Lissabon, Malaga und Mallorca sind die Karibischen Inseln
das Ziel zum Überwintern.
Alex, Foto
Peter Müller 14.05.2004
Im Dock herrscht reges Treiben: Funken sprühen, es
riecht nach Farbe. "Umweltfreundliche Farben", wie Poetting betont. Emsige Hände
entrosten und streichen die drei Masten. Im Maschinenraum wird ein neuer
Hilfsdiesel eingebaut. Und das Unterwasserschiff erhält eine kosmetische
Behandlung: Ein Hochdruckstrahler entfernt letzte Spuren, die das Meer
hinterlassen hatte. Die grünen, aus der Bierwerbung bekannten Segel sind
verzurrt. Einige Trainies sind im Rigg: Sie schlagen in luftiger Höhe, acht
Meter über Deck, das Focksegel an. "Der Segelsatz wird jährlich gewechselt",
sagt Poetting. Der 64-jährige fährt seit 30 Jahren zur See und ist seit sechs
Jahren einer der Kapitäne auf der "Alex". Auf Fahrt gehört Poetting zur
25-köpfigen ehrenamtlichen Stammbesatzung, die bis zu 35 Trainies pro Törn
mitnimmt. "Jeder im Alter zwischen 16 und 70 Jahren, der körperlich fit ist,
kann mitfahren", sagt der Kapitän. Denn der Großsegler ist eine Schule auf See,
dessen Eigner seit 1986 die Deutsche Stiftung Sail Training ist. Jeder, der
mitreist und sich anständig anstellt, kann eine Prüfung als Leichtmatrose
ablegen, berichtet Poetting. Jeder wird in den Bordablauf inte-
griert,
Bedienungspersonal gibt es nicht: Jeder muss Wache stehen, Kartoffeln
schälen oder in den Ausguck.
"Liebe zum Schiff"
Auch Jan
Stapenhorst (27) hat vor elf Jahren als Leichtmatrose angefangen.
Inzwischen ist er Bootsmann. Ihn habe damals der "grüne Virus" befallen:
Faszination, Einsatzbereitschaft und Freude beim Segeln. "Wir fahren aus
Liebe zum Schiff mit", sagt der Nautikstudent. Aber auch die Arbeit werde groß
geschrieben- an Bord und im Dock. "Ohne die Gemeinschaft würde das Schiff nicht
existieren", sagt Stapenhorst.
Nordsee-Zeitung vom 15. September
2000