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Vom Reedersgarten auf die Planken
Kapitän Adolf Ahrens wuchs auf dem Gelände der
Rickmers-Werft auf- Kommodoretitel als Ehrung
Das Baugebiet auf dem Gelände der ehemaligen Rickmers-Werft wird
zum Kapitänsviertel. Die Namen der künftigen Wohnstraßen sollen an Kapitäne
von Schiffen erinnern, die einst bei Rickmers gebaut wurden oder für den
Norddeutschen Lloyd fuhren. Zu ihnen zählt auch Kommodore Adolf Ahrens.
Von den fünf Namensgebern hatte Adolf Ahrens, geboren 1879, die wohl engste
Bindung an die Rickmers-Werft. Er wuchs auf dem Schiffsbau-
Gelände auf. Sein Vater arbeitete als Gärtner für den Reeder und Werftbe-
sitzer Rickmer Clasen Rickmers.
Die Umgebung blieb nicht ohne Wirkung auf den jungen Ahrens. Mit 14 Jahren
heuerte er auf dem Segler "Renée Rickmers" an. Im Alter von 19 Jahren
erwarb er in Elsfleth das Patent zum Steuermann und fuhr zwei Jahre auf dem in
Brake beheimateten Segelschiff "Amazone". Beim Abschied wies ihn der
Kapitän darauf hin, dass die Zeit der Segler zu Ende gehe und riet Ahrens, in
den Dienst einer Dampfschiff-Reederei zu treten.
Nach bestandenem Kapitänsexamen kam Ahrens 1901 zum Norddeutschen
Lloyd. Von der Reederei wurde er im Hauptliniendienst nach Ostasien
eingesetzt, aber auch- von Singapur und später Hongkong aus- im Küstendienst.
Unterbrochen wurde dieser Lebensabschnitt 1902 von Ahrens` einjähriger
Dienstzeit bei der Kaiserlichen Marine.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges befand sich Ahrens als 2. Offizier mit
dem Dampfer "Derfflinger" auf der Heimreise im Roten Meer. Das Schiff
blieb in Port Said liegen, die Besatzung wurde auf der Insel Malta interniert.
Im Dezember 1919 kehrte Adolf Ahrens in seine Heimat zurück. Da Deutschland den
größten Teil seiner Handelsmarine an die Alliierten abtreten musste, machte
sich Ahrens als Kaufmann selbständig. Mit dem Wieder-
aufbau der Flotte kehrte er aber 1923 zum Norddeutschen Lloyd zurück.
1924 wurde er mit der Stellung des 1. Offiziers auf der "Columbus"
betreut unter dem Kommando von Kapitän Nikolaus
Johnson. Von ihm übernahm Ahrens 1928 die Führung des Schiffes.
Als Nachfolger von Kommodore Leopold
Ziegenbein erhielt Ahrens 1936 schließlich das Kommando auf dem Schnelldampfer
"Bremen". Er führte das Schiff bis zum Beginn des Zweiten
Weltkrieges. Mit der "Bremen" gelang ihm der Blockadedurchbruch von
New York über den Hafen von Murmansk, in dem das Schiff bis Anfang Dezember
1939 blieb, ehe es nach Bremerhaven zurückkehrte. In Anerkennung dieser
Leistung verlieh der Norddeutsche Lloyd Ahrens 1940 den Kommodoretitel.
Von 1949 bis 1953 gehörte Ahrens als Abgeordneter der Deutschen Partei dem
Bundestag an und widmete sich überwiegend Fragen der Schifffahrt und des
Handels. Er starb 1957 in der Stadt Bremen.
Nordsee-Zeitung vom 1. August 2001