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Drei große Patroler für den Grenzschutz
Wirtschaftliche Neubauten der Werft Abeking &
Rasmussen mit Kasko aus Kaliningrad
Lemwerder. Als erstes von drei Patrouillenbooten, die Mitte 2000 vom Bundesministerium
bei der Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder bestellt wurden, ist vom
Bundesgrenzschutz die "Bad Bramstedt" in Cuxhaven in Dienst gestellt
worden.
Das ebenfalls für Cuxhaven und den Einsatz in der Nordsee bestimmte
Schwesterschiff "Bayreuth" (BG 25) wird gegenwärtig unter der
Baunummer 6458 bei A & R zur Lieferung Anfang Mai ausgerüstet. Der dritte
Neubau "'Eschwege" (BG 26, Baunummer 6459) soll ab November in der
Ostsee eingesetzt werden. Das Trio ersetzt sechs über 30 Jahre alte kleinere
Einheiten.
Für alle drei je 15 Millionen Euro kostenden Neubauten stammt der Rumpf im
Unterauftrag von der Yantar-Werft im russischen Kaliningrad. Auf Grund der guten
Erfahrungen mit dem von A&R entwickelten neuen Typ konnte mit der
Yantar-Werft bereits ein Lizenzvertrag für den Bau von zehn Booten und ein
weiterer für Materiallieferungen abgeschlossen werden, die für den Grenz- und
Fischereischutz der Russischen Föderation am Pazifik bestimmt sind.
Verlang worden waren von dem neuen Typ eine hohe See-Ausdauer, Seefestigkeit,
ein Aktionsradius von 12000 Seemeilen, die relativ hohe Geschwindigkeit von 21,5
Knoten mit nur einem Schnellläufer-Diesel auf nur eine Welle sowie 12 Knoten
Marschfahrt mit auf die Welle geschaltetem, vom Bordnetz gespeistem
Elektro-Motor. Auch sollte der Patroler trockenfallen können. Sein Rumpf ist
aus Stahl, Deckshaus und Masten aus Aluminium.
Diese Vorgaben führten zu folgenden Hauptdaten: 65,9/60,2 Meter Länge, 10,6
Meter Breite, 6,3 Meter Seitenhöhe bis Hauptdeck und 3,2/3,5 Mieter Tiefgang,
931 Tonnen Verdrängung und einer Bruttoraumzahl von 1030.
Der Hauptantrieb erfolgt mit einer Codae-Anlage (Comined Diesel and Electromotor)
durch einen MTU-Diesel 16V 1163 TB 73L mit 5200 Kilowatt bei 1250 Umdrehungen
pro Minute. Er wirkt einzeln oder auch kombiniert mit dem E-Motor über ein
Renk-Planetengetriebe als "Rooster" auf einen Lips-Fest-Propeller.
Über 80% der Fahrtzeit wird aber der frequenzgesteuerte Siemens-Fahrmotor
6SE7141mit 600 Kilowatt bei 1428 Umdrehungen pro Minute für bis zu 12 Knoten
und das Manövrieren genutzt. Die beiden voneinander unabhängigen System
gewährleisten eine hohe Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit und verhelfen zum
zusätzlichen Klassezeichen PRO1 des Germanischen Lloyd.
Das von Siemens installierte Bordnetz wird von zwei MTU-Diesel 12V 2000 M 504
mit je 498 Kilowatt und Generatoren mit je 591 Kilovoltampere gespeist. Sie
können auf eine gemeinsame Bord-Fahrnetz-Schiene geschaltet werden. Auch
Schottel-Bug- und Heckstrahlruder mit 200 bzw. 125 Kilowatt sowie aktive, nicht
einziehbare Flossenstabilisatoren sind eingebaut.
Für die Besatzung stehen 14 Einzelkammern zur Verfügung. Dazu kommen zwei
Reserve-Doppelkammern, Messen und ein Fitnessraum. Die nautische Ausrüstung in
der Rund-um-Sicht-Brücke entspricht modernem Stand, darunter aber auch eine
Wärmebild-Sichtanlage für Nachteinsätze.
Da für Tochterboote in einer Heckwanne bei hohem Seegang beim Wieder-an-
Bord-nehmen ein großes Risiko besteht, wurde für das 7,5 Meter-Arbeitsboot mit
170 Kilowatt ein Einarm-Davit der Caley-Ocean-Systems mit
Seegangfolge-Einrichtung gewählt. Zwei Feuerlösch-Monitore weisen eine
Wurfweite von 80 Meter auf.
In einem Nebenangebot hatte von A&R auch ein Schiff vom Swath-Typ mit
Doppelrumpf gehört. Mit ihm sind bei den von der Werft gebauten Lotsen-Tendern
in der Deutschen Bucht sehr gute Erfahrungen gemacht worden. Praktisch
angewendet wird das Swath-Konzept von A&R in Zusammenarbeit mit der
Lürssen-Werft im Rahmen der Entwicklung des hochmodernen
Minenbekämpfungssystems "Minenjagd 2000" der Deutschen Marine, dessen
Kern vorerst unbemannte ferngesteuerte Überwasser-Minenjagddrohnen
"Seepferd" sein werden.
Nordsee-Zeitung vom 11. Januar 2003