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Stadt schickt Abrissbagger
Kupferschmiede und Direktorenhaus der SUAG-Werft ohne
Vorwarnung platt gemacht
Die Stadt hat wieder den Abrissbagger geschickt. Diesmal traf es das
Direktorenhaus und die Kupferschmiede der früheren Schichau Unterweser Werft (SUAG)-
letzte Zeugnisse der großen Schiffbautradition an der Geeste. Eine konkrete
Planung für die Nutzung der Werftbrache gibt es nicht.
Der Abbruch ist veranlasst worden, obwohl sich der Architekt Dr. Olaf Voßhans
noch um die Rettung der Gebäude bemühte. Der Sprecher der Architektenkammer
hatte es sich in den Kopf gesetzt, die historische Bausub-
stanz zu erhalten und nach Mietern gesucht, für die er das
Verwaltungsgebäude umgebaut und saniert hätte.
Ein schwieriges Geschäft, wie Voßhans einräumt. Nachdem zwei Interessenten
abgesprungen waren, weil über den Kaufpreis zu jener Zeit mit der Wirtschafts-
förderungsgesellschaft BIS keine Einigung zu erzielen gewesen war, hatte lange
Funkstille geherrscht. Doch zuletzt, so Voßhans, habe es wieder Gespräche mit
einem Internetprovider gegeben.
Dass zur gleichen Zeit die Kupferschmiede schon platt gemacht worden war und die
Bagger bereits dem Direktorenhaus zusetzten, erfuhr er erst durch einen Anruf
der NORDSEE-ZEITUNG. "Das macht mich wirklich sehr traurig", sagte er,
"die Stadt verliert damit einen historischen Bezugspunkt."
Die Entscheidung für den Abbruch ist im Einvernehmen zwischen Baudezernent
Volker Holm (CDU) und BIS gefallen, die das ehemalige Werftgelände gewerblich
entwickeln soll. Seit der ursprünglich dort geplante Technologiepark zum Neuen
Hafen verschoben worden ist, ist keine alternative Nutzung in Sicht.
Ohne konkrete Ergebnisse ist bisher auch eine Studie über die
Vermarktungsmöglichkeiten geblieben. "Wir wollen die Nachfrage prüfen und
uns ein Bild davon machen, welche Branchen dort angesiedelt werden
können", sagt Volkert Osterloh, der bei der BIS für Immobilien und
Wirtschaftsstruktur zuständig ist. Eine Wohnbebauung wie auf dem
Rickmersgelände schließt er aus: "Das verträgt sich nicht mit dem
Betrieb im Eisstadion."
In Kürze vorliegen soll das Ergebnis eines Altlastengutachtens. Genaue Zahlen
kenne er noch nicht, so Osterloh, doch mit der Beseitigung der Schadstoffe werde
man mindestens ein Jahr lang beschäftigt sein. Bis dahin hätten auch die jetzt
abgerissenen Gebäude niemandem im Weg gestanden. "Vor 2003", räumt
Osterloh ein, "passiert dort sowieso nichts."
Nordsee-Zeitung vom 19. September 2001