Bagger reißen alte Werfthallen nieder
Abbrucharbeiten bei Geeste Metallbau haben begonnen

Auf dem früheren Gelände von Geeste Metallbau (GMB) haben Bagger die Regie übernommen. Im Auftrag der städtischen Wirtschaftsförderungs-
gesellschaft BIS wird ein Großteil der traditionsreichen Hallen und Gebäude bis Dezember abgerissen. Die neue Nutzung des Geländes steht noch nicht fest.

"Die Sicherheit war nicht mehr zu gewährleisten", sagt Volkert Osterloh, der bei der BIS den Geschäftsbereich Infrastruktur leitet. Die BIS setzt einen Beschluss des Magistrats aus dem März um.
Osterloh beklagt "totalen Vandalismus" auf dem Gelände, das seit Februar 1998 brach liegt: "Das kann man sich nicht vorstellen. Da wurde mit Brechstangen alles kurz und klein geschlagen." Die BIS hatte einen Sicherheitsdienst damit beauftragt, das unübersichtliche Gebiet zu bewachen. Die Firma gab den Auftrag nach einiger Zeit mit dem Hinweis zurück, das Sicherheitsrisiko für die eigenen Mitarbeiter sei zu groß. Mehrfach hatten zudem Brandstifter gezündelt. Im November 1999 vernichteten die Flammen den historischen Schnürboden, auf dem die Schiffsmaße maßstabsgetreu aufgerissen worden waren.
Nicht alles wird abgerissen.  Neben dem Verwaltungsgebäude bleiben die Kupferschmiede, der Helgen und ein Kran stehen. Die Ausrüstungskaje wird auf ihre Standfestigkeit geprüft.
Parallel zum Abriss lässt die BIS den Boden auf mögliche Schadstoffe untersuchen. Insgesamt stehen rund zwei Millionen Mark aus Landesmitteln zur Verfügung. Osterloh: "Für die Beseitigung der Schadstoffe müssten wir weitere Mittel bei den Wirtschaftsförderungsausschüssen beantragen."
                Die Zukunft der Brache ist unklar: Ein ursprünglich dort geplanter Technologiepark soll als Teil des EU-Projektes "Urban II" am Neuen Hafen entstehen. Für das Verwaltungsgebäude sieht Osterloh eine Zukunft als Bürokomplex. Wohnbehausung gilt für Standort allein wegen der Nähe zur Stadthalle als ungeeignet. Das hat ein Workshop von 25 Architekten und Landschaftsplanern im Herbst 1999 ergeben. Osterloh: "Wir suchen die zündende Idee."
Dr. Dirk Peters, Industriearchäologe am Deutschen Schiffahrtsmuseum, bedauert den Abriss der dreiflügeligen Schiffbauhalle aus dem Jahr 1920. "Ich hätte mir vorstellen können, dort Bootsvereine unterzubringen", sagte er. Erleichtert zeigte er sich über den Erhalt des 1914 errichteten Verwaltungsgebäudes.

Nordsee-Zeitung vom 19. Juli 2000